Fragen & Antworten zum Schweizer Netz

Die sichere Stromversorgung in der Schweiz und in Europa ist eine der brennendsten Fragen der Gegenwart: Die Politik muss Entscheidungen treffen - und es besteht dringend Handlungsbedarf. Die wichtigsten Punkte auf einen Blick!


Warum betont Swissgrid immer wieder, dass die Netze so dringend ausgebaut werden müssen?

Die Gründe für den Netzausbau sind vielfältig. Der steigende Stromkonsum, neue Kraftwerke im In- und Ausland und die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien stellen das Übertragungsnetz vor grosse Herausforderungen. Je nach Markt-, Tages- und Jahressituation staut sich der Strom an bestimmten Punkten im Netz und führt zu Engpässen. So musste Swissgrid 2010 mehrmals die Stromproduktion aus Wasserkraft in den Alpen einschränken. Zudem ist das bestehende Netz durchschnittlich 40 Jahre alt. Beim Bau wurde es damals weder aus einer gesamtschweizerischen noch aus einer internationalen Sicht geplant und realisiert. Der Nachholbedarf für eine Modernisierung ist daher gross.

Wieso geht der Netzausbau nicht schneller?

Die Bewilligungsverfahren für den Leitungsbau dauern heute mindestens 9 bis 12 Jahre, was auf Einsprachemöglichkeiten und die hohe Anzahl an involvierten Instanzen zurückzuführen ist. Die Erneuerung und der Ausbau von Stromübertragungsnetzen stossen immer auf Widerstand. Der Netzausbau ist nicht nur eine technische, sondern auch eine gesellschaftspolitische Herausforderung. In den letzten 10 Jahren wurden nur gerade 150 Kilometer neue Netze gebaut.

Welche Aufgabe erfüllt Swissgrid für die Stromversorgung?

Swissgrid ist als Nationale Netzgesellschaft für den sicheren, zuverlässigen und wirtschaftlichen Betrieb des Schweizer Stromübertragungsnetzes verantwortlich. Dieses Netz ist rund 6700 Kilometer lang und wichtiges Bindeglied zwischen Stromproduktion und Stromverbrauch. Dabei fliesst der Strom von den grossen Kraftwerken in regionale und lokale Verteilnetze und von dort zu den Endverbrauchern. Swissgrid wird – wie vom Stromversorgungsgesetz (StromVG) vorgegeben – ab dem 1. Januar 2013 Eigentümerin des Schweizer Übertragungsnetzes. Ab diesem Zeitpunkt wird Swissgrid auch für den Unterhalt und die Erneuerung der Netze verantwortlich sein.

Wieso soll die Schweiz zur «Batterie Europas» werden und wer profitiert davon?

Die Schweiz ist mit rund 40 Leitungen mit den umliegenden Ländern verbunden, wodurch die Schweiz seit Jahrzehnten als Drehscheibe für Strom und den Ausgleich von Bedarfs- und Produktionsspitzen agiert. In Europa bestehen erste Pläne zur Schaffung sogenannter Stromkorridore zur Erhöhung der Versorgungssicherheit. Dies soll erreicht werden, indem die Länder Europas die vorhandenen Stromnetze zum Transport von Strom aus erneuerbaren Energien ausbauen. Dank ihrer zentralen Lage in Europa und den zahlreichen Speicherseen in den Alpen könnte die Schweiz die Funktion einer «Batterie» übernehmen. Voraussetzung zur Realisierung dieser Vision ist die Schaffung von leistungsfähigen Netzen. Nur so können grosse Mengen an Strom in die Schweiz geführt, gespeichert und aus den Speicherseen wieder abtransportiert werden.

Ohne Netzausbau kein Atomausstieg

Swissgrid CEO Pierre-Alan Graf im Interview mit dem Schweizer Fernsehen: Das Stromnetz verkraftet keine grösseren Schwankungen und muss modernisiert werden.

SF «Tagesschau» vom 24.05.2011