Das Netz der Zukunft

Das Schweizer Übertragungsnetz ist nicht nur ein technisches Gebilde. Es befindet sich im Spannungsfeld  verschiedener Faktoren: die Energiestrategie des Bundes und der europäischen Nachbarländer, der Kraftwerkseinsatz, der Energieaustausch mit Europa oder auch die Technologieentwicklungen. Damit das Netz auf die künftigen Rahmenbedingungen und Anforderungen angepasst werden kann, braucht es eine umfassende Netzplanung.

Netzplanung: nur so viele Leitungen, wie nötig

Swissgrid hat das Ziel, ein versorgungssicheres und gleichzeitig effizientes, volkswirtschaftlich optimiertes Netz zu bauen und zu betreiben. Heute plant Swissgrid das Netz für das Jahr 2025. Ausgangspunkte sind das heutige Netz sowie das durch den Bundesrat im 2009 bestätigte «Strategische Netz 2015». Für die Planung werden neben den heutigen Netzengpässen die Inputs des Bundes (Energiestrategie 2050), der Stromwirtschaft (Kraftwerksplanungen) und der europäischen Netzbetreiber (Marktszenarien und Netzausbauplanung des Verbands der europäischen Netzbetreiber ENTSO-E) berücksichtigt.

In der Swissgrid internen Netzplanung betrachtet Swissgrid zunächst den Zeitraum bis 2035. Diese Planung konnte Ende 2013 abgeschlossen werden. Mittels vier unterschiedlicher Szenarien wurden die möglichen Marktentwicklungen und anschliessend das Netz simuliert. Der lange Zeitraum bedingt viele Planungsunsicherheiten. Diese Unsicherheiten adressiert Swissgrid in dem gerade gestarteten zweiten Planungszyklus mit Blick auf das Jahr 2025.

Netz 2025 ─ Kein «Bauen auf Vorrat»

Aufgrund der bisherigen Erfahrungen wird das Netz neu mit dem Zeithorizont 2025 berechnet. Dadurch kann mit weniger planerischen Unsicherheiten gearbeitet werden. Die von Bund und Swissgrid gleichermassen angestrebten Bewilligungsfristen von unter sechs Jahren ermöglichen zudem eine bedarfsgerechte Planung: So wird nur das gebaut, was unbedingt gebraucht wird, um die Versorgungssicherheit in der Schweiz und einen volkswirtschaftlichen Mehrwert zu garantieren. Bei der Detailplanung der verwendeten Szenarien und Methoden steht Swissgrid im Austausch mit den Verteilnetzbetreibern, Kraftwerksbetreibern sowie verschiedenen Interessensgruppen und stimmt sich mit dem Bundesamt für Energie (BFE) und der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) ab. Swissgrid gleicht diese Planung zudem mit den Nachbar-TSOs ab. Das Netz 2025 beseitigt die bestehenden und prognostizierten Engpässe im Übertragungsnetz, die insbesondere auch im Zusammenhang mit dem geplanten Kraftwerksausbau zu erwarten sind. Zudem muss das Netz 2025 den Anforderungen der Zukunft genügen und anpassbar sein, falls neue Technologien zum Einsatz kommen.

Die Netzplanung im Detail – Wie gehen wir vor?

Im Fokus steht die Erhebung des Umbaubedarfs für 2025 anhand von zwei unterschiedlichen Szenarien. Um die Robustheit der Projekte im «Netz 2025» zu testen, werden ergänzend zu diesen Szenarien auch längerfristige Szenarien für 2035 evaluiert, die in die Bewertung des «Netzes 2025» einfliessen.

  • Szenarien und Annahmen treffen: Basis bilden die Szenarien des Bundes und der ENTSO-E, sowie die Anschlussbedürfnisse seitens Verteilnetzbetreiber, Kraftwerksbetreiber und SBB. Dann fliessen Prognosen zur Produktions- und Verbrauchsentwicklung ein.
  • Marktsimulationen durchführen: Mit den Marktsimulationen lassen sich aus den Energieszenarien der künftige Kraftwerkseinsatz und der Austausch mit dem Ausland bestimmen.
  • Möglichen Transportbedarf 2025 identifizieren: Basierend auf den Marktsimulationsergebnissen werden Netzsimulationen zur Feststellung des künftigen Transportbedarfs durchgeführt.
  • Netzplanung entwerfen: Entwicklung eines konkreten Netzplanes 2025, welcher dem Transportbedarf gerecht wird. Dies wird nach dem sogenannten NOVA-Prinzip (Netzoptimierung vor Verstärkung vor Ausbau) durchgeführt. Das bedeutet, dass zunächst das Netz planerisch optimiert, dann verstärkt und erst ausgebaut wird, wenn diese Massnahmen nicht reichen.
  • Robustheit des Netzplans 2025 überprüfen: Die Ausbauprojekte werden volkswirtschaftlich und technisch auf ihren Nutzen bewertet.
  • Netzplanung finalisieren und breit abstimmen: Im Dialog mit den verschiedenen Partnern und Anspruchsgruppen werden die Ergebnisse präsentiert und auf ihre Auswirkungen auf die Schweiz evaluiert. Die Ergebnisse werden im Anschluss in Form eines Berichts und flankierender Kommunikationsmittel veröffentlicht.

Strategisches Netz 2015

Der Bundesrat hat im März 2009 das strategische Netz 2015 festgelegt, um die Lücken im Stromübertragungsnetz zu schliessen. Das strategische Netz umfasst sowohl neu zu erstellende Leitungen, Unterwerke und Transformatoren als auch bestehende Leitungen und Anlagen, die ausgebaut oder ersetzt werden müssen.

Ziel des strategischen Netzes 2015 war es, strukturelle Engpässe zu beheben und den Anschluss der sich im Bau befindlichen Pumpspeicherkraftwerke zu gewährleisten. Von den vorgesehenen Projekten konnten bis dato erst 14 Kilometer fertig gestellt werden. Weitere 17 Kilometer sind im Bau. Die restlichen Bauvorhaben befinden sich im Vor- oder Bauprojekt bzw. im Bewilligungsverfahren. Für die Verzögerungen in der Realisierung des strategischen Netzes 2015 gibt es unterschiedliche Gründe: Neubewertungen aufgrund geänderter gesetzlichen Vorgaben, nachträgliche Teil- oder Vollverkabelungsstudien sowie langwierige Verfahren.

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