Projekt Pradella – La Punt

Die bestehende Höchstspannungsleitung zwischen Pradella – La Punt bildet einen Engpass im schweizerischen und europäischen Übertragungsnetz. Mit dem Ausbauprogramm wird die Importkapazität aus dem Norden erhöht, die Vernetzung mit dem internationalen Stromnetz (Österreich, Italien) gestärkt und der Abtransport der Energie aus der Wasserkraft im Kanton Graubünden verbessert. Das Vorhaben steigert ausserdem die Versorgungssicherheit. Das prioritäre Netzausbauprogramm Engadin beinhaltet den Ausbau der 380-kV-Leitung zwischen Pradella – La Punt sowie den Ausbau der Schaltanlage Pradella.

Auf der rund 50 km langen Leitung wird durchgehend ein zweiter 380-kV-Stromkreis aufgelegt. Dazu muss die auf der bestehenden Freileitung zwischen Zernez und Pradella mitgeführte 220-kV-Energieableitung aus dem Kraftwerk Ova Spin abgebaut werden. Die Energie aus dem Kraftwerk Ova Spin wird zukünftig über ein neu zu erstellendes 110-kV-Talnetz abgeführt. Die Engadiner Kraftwerke (EKW) und Repower (RE) als Eigentümerinnen des Engadiner Verteilnetzes beabsichtigen, das bestehende 60-kV-Netz durch ein neues 110-kV-Netz zu ersetzen. Die auf 110-kV umzubauende 60-kV-Leitung Pradella–Zernez–Bever soll als Kabelleitung erstellt werden; dies dient zum Teil als Ersatzmassnahme für die geplante Nachrüstung der 380-kV-Leitung Pradella – La Punt. Der zwischen Pradella und Zernez auf der Leitung mitgeführte 220-kV-Strang wird abgebaut.

Status

Bewilligung-de-07

 
Im Dezember 2013 hat Swissgrid das Plangenehmigungsdossier für das Netzausbauprojekt Pradella – La Punt beim ESTI eingereicht. Dagegen sind mehrere Einsprachen eingereicht worden. Swissgrid hat die Anliegen soweit möglich aufgenommen und mit allen Einsprechenden eine gütliche Einigung gefunden. Aufgrund dieser Einigung konnte das ESTI am 11 Mai 2016 die Bewilligung für den Ausbau der knapp 50 km langen Höchstspannungsleitung zwischen Pradella und La Punt erteilen.

» Geplante Inbetriebnahme 2018

Im Zeitraum von 2015 bis 2019 werden die Anlagen schrittweise und umfassend saniert. Diese Erneuerung ermöglicht es, notwendige konzeptionelle Änderungen und damit eine technische Optimierung der Anlage zu realisieren. Die Sammelschiene 380-kV, ein zentrales Element der Schaltanlage, wird doppelt ausgeführt, so dass bei Ausfall einer Übertragungsleitung die EKW Anlagen nach wie vor Energie ins Netz einspeisen können und dadurch die Talschaft weiterhin mit Strom versorgt wird.

Linienführung

  • Leitungstrassee wird bis auf eine geringfügige Trasseeanpassung bei der Leitungseinführung ins Unterwerk Pradella beibehalten.

Masten

  • Erhöhung und Verstärkung von 19 Masten
  • Verstärkung von 55 Tragwerken
  • Aufsetzen der Mastspitzen bei 13 Masten

Leiterseile

  • Zwischen Pradella und Zernez werden die drei Phasen des bestehenden 220-kV-Stranges mit einem zusätzlichen Leiterseil nachgerüstet.
  • Zwischen Zernez und La Punt wird ein zusätzlicher Strang aufgelegt. Beide Stränge bestehen aus drei Phasen mit Zweierbündeln.

Erdseil

  • Das bestehende Stahlerdseil wird auf der gesamten Leitungslänge durch ein Aldrey-Seil mit integrierten Lichtwellenleitern ersetzt.

Isolatorenketten

  • Neueste 380-kV-Isolatorenketten aus Kunststoff auf der gesamten Leitungslänge.

Vergleich mit einer Kabelvariante

Das Projekt wurde auf der gesamten Strecke und auf 4 Teilabschnitten mit einer neuen 380-kV-Kabelleitung verglichen. Der Vergleich wurde im Sinne des Bewertungsschemas für Übertragungsleitungen des Bundesamtes für Energie (BFE) ausgeführt.

Der Vergleich zeigte auf, dass die Mehrkosten für eine Voll- oder Teilverkabelung unverhältnismässig hoch wären und nur eine teilweise Entlastung des Landschaftsbildes zur Folge hätten.

Die Ergebnisse der Untersuchung zur Umweltverträglichkeit haben folgende Schlussfolgerungen ergeben:

Landschaft

Wegen 19 Masterhöhungen, 13 neuen Mastspitzen und dem Einsatz von zweifachen statt einfachen Leiterseilen wird die Landschaft nur punktuell und geringfügig zusätzlich beeinträchtigt. Die Leitung Pradella – La Punt ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Landschaft. Rund 60% der Leitung führt durch den Wald und wirkt sich auf das Landschaftsbild deshalb kaum aus.

Fauna

Die Mortalität bei Vögeln aufgrund Stromschlags ist im Übertragungsnetz gering. Mit dem Einsatz von Bündelleitern und einem dickeren Erdseil wird die Kollisionsgefahr für Vögel zwischen Pradella und Zernez reduziert. Mit dem vorgesehenen Rückbau von Verteilnetzleitungen entfällt ein grosses Gefahrenpotential für die Avifauna. Für die übrige Fauna (Wild, Amphibien, Reptilien) sind keine bis geringe Auswirkungen zu erwarten.

Flora, Grundwasser, Boden

Flachmoore und Schutzgebiete werden überspannt. 10 Masten, an denen Fundamentverstärkungen vorgesehen sind, stehen in oder am Rand von Trockenwiesen und -weiden. Die Beeinträchtigung ist gering. Die Bauarbeiten werden hydrogeologisch begleitet, um Grundwasserverschmutzungen zu verhindern. Der Boden wird durch die Bauarbeiten fast ausschliesslich in bereits belasteten Gebieten tangiert.

Wald

Für den Wald gibt es geringe Mehrbelastungen durch temporäre und definitive Rodungen, die bei Maststandorten und Installationsplätzen notwendig sind. Die bestehenden Niederhaltungen von Bäumen werden beibehalten.

Nicht-ionisierende Strahlung

Zwischen Pradella und La Punt befinden sich insgesamt 11 Standorte mit empfindlicher Nutzung. Für alle Standorte wurden separate Berechnungen vorgenommen, welche die Einhaltung der Grenzwerte überall bestätigen. Die gesetzlichen Vorschriften werden eingehalten.

Lärm

Im Nahbereich der Leitung befinden sich insgesamt 10 Gebäude mit lärmempfindlichen Räumen. Zur Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte werden dickere Leiterseile oder Dreierbündel eingesetzt.

Das Umbauvorhaben ist umweltverträglich

Das Leitungsbauvorhaben lässt sich mit vergleichsweise bescheidenen Massnahmen kostengünstig, umweltverträglich und gesetzeskonform verwirklichen.

  • Der Leitungsausbau hat nur eine geringfügige Auswirkung auf das Landschaftsbild. Rund 60 % der Leitung führt durch Waldareale.
  • Die Mortalität bei Vögeln aufgrund Stromschlags ist im Übertragungsnetz gering.
  • Die bestehenden Niederhaltungen in Waldarealen werden beibehalten.
  • Flachmoore und Schutzgebiete werden überspannt.
  • Zur Einhaltung der Lärm-Grenzwerte werden dickere Leiterseile oder Dreierbündel eingesetzt.
  • Alle gesetzlichen Vorschriften und behördlichen Auflagen werden eingehalten.

Das Projekt Pradella – La Punt wurde in den 1990er Jahren mit einem Vorverfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gestartet. Im Januar 2000 wurden die Projektierungsarbeiten aufgrund der bevorstehenden Marktöffnung, der Verzögerungen bei grenzüberschreitenden Leitungsbauvorhaben sowie den Forderungen aus dem UVP-Vorverfahren sistiert.

Im 2007 wurden die Projektarbeiten mit der Ausarbeitung des Detailprojektes und des Berichtes über die Umweltauswirkungen wieder aufgenommen. Ein Jahr später wurde auf Verlangen der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Energie (BFE), anhand des Sachplans Übertragungsleitungen (SÜL) der sogenannte SÜL-Check durchgeführt. Im Dezember 2008 verfügte das BFE, dass auf Grundlage des durchgeführten SÜL-Checks auf ein SÜL-Verfahren verzichtet werden kann. Hingegen musste eine UVP-Prüfung durchgeführt werden.

Im 2009 und 2010 fand die Überarbeitung der Planvorlage und des Berichtes über die Umweltauswirkungen gemäss Vorgaben des BFE statt. Ende Oktober 2010 wurde der Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) an das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) zur Vorprüfung und Genehmigung des Pflichtenheftes eingegeben. Im Februar 2011 fand ein Augenschein mit den kantonalen und eidgenössischen Fachstellen unter Federführung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) statt. Aufgrund dieser Begehung wurde der UVB überarbeitet.

Im Januar 2012 fanden Informationsveranstaltungen in Zernez statt, in deren Rahmen die Gemeinden, Umweltorganisationen und Öffentlichkeit sowie die Presse informiert wurden. Zwischen April 2012 und November 2013 wurden die Gesuchs-Unterlagen aufgrund des neuen Bewertungsschemas für Übertragungsleitungen des BFE und wegen verschiedener Gerichtsurteile grundlegend überarbeitet. Mit Eingabe der Plandossiers an das Eidg. Starkstrominspektorat am 9. Dezember 2013 wurde das Plangenehmigungsverfahren (PGV) eingeleitet.

Projektfortschritt und Meilensteine

Vor dem Rückbau des 220-kV-Stranges, muss die 110-kV-Leitung zwischen Zernez und Pradella erstellt und in Betrieb gesetzt sein. Die 60-kV-Leitung wird nach Fertigstellung und Inbetriebnahme der 110-kV-Kabelleitung zurückgebaut. Damit können rund 1000 Masten und Holzstangen im Engadin eliminiert werden.

  • Im Mai 2016 hat das Eidgenössische Starkstrominspektorat die Bewilligung für den Ausbau der 380-kV-Leitung zwischen Pradella und La Punt erteilt.
  • Das Plangenehmigungsverfahren für die neue 110-kV-Kabelleitung ist im Gange. Eine Bewilligung wird im ersten Halbjahr 2017 erwartet.
  • Erste Tiefbauarbeiten (Fundamente und Kabelrohrblock) sind für das Sommerhalbjahr 2017 geplant.
  • Nach heutigem Stand ist mit einem Abschluss aller Arbeiten 2020/2021 zu rechnen.

Projektbegründung

Das Projekt wurde schon in den 1990er Jahren gestartet. Was war dazumal geplant?

In einer ersten Projektvariante hätte die bestehende einsträngige Höchstspannungsleitung zwischen Pradella und La Punt auf zwei 380 kV-Stränge und zusätzlich mit einem 110 kV-Strang (analog der Leitung Pradella – Martina) ausgebaut werden sollen. Dieses Projekt hätte eine grössere Trasseebreite zur Folge gehabt und war auf Widerstand gestossen. Ebenso wurde eine Variante mit einem Unterwerk bei Zernez durch die betroffene Gemeinde abgelehnt.

In den Jahren 1995 bis 1996 wurde dann die heutige Projektvariante mit zwei 380 kV-Strängen und einem sogenannten T-Anstich, das heisst einer zusätzlichen 380 kV-Leitung zum Kraftwerk Ova Spin, erarbeitet. Diese Variante wurde damals von den meisten Gemeinden gutgeheissen. Lediglich einzelne Begehren der Gemeinden Ftan und Guarda für Trassee-Korrekturen wurden vorgebracht.

Warum wurde das Projekt in den 1990er Jahren nicht weitergeführt?

Die damalige Unsicherheit in der Entwicklung des Strommarktes und der Netze hat die Projektanten 1997 bewogen, die Arbeiten am Projekt einzustellen. Zudem wurde damals der Bedarf einer neuen Leitung als noch nicht so dringlich eingeschätzt.

Wann und warum wurde das Projekt reaktiviert? Ist das Projekt dringend notwendig?

Das Projekt wurde 2007 reaktiviert. Dies aus folgenden Gründen: Die bestehende einsträngige 380-kV-Leitung zwischen Pradella und La Punt bildet einen Engpass im schweizerischen und im europäischen Höchstspannungsnetz. Im Engadin sind die Netze zunehmend überlastet.

So wie in der ganzen Schweiz nimmt auch im Engadin der Stromverbrauch stetig zu. Zudem sind im Kanton Graubünden mehrere neue Kraftwerke (Lago Bianco, Gemeinschaftskraftwerk Inn) geplant. Durch die neue Leitung kann der Abtransport der Wasserkraftproduktion verbessert werden.

Die Leitung zwischen Pradella und La Punt ist eine wichtige europäische Verbindung und muss deshalb eine hohe Verfügbarkeit aufweisen. Durch die neue 380-kV-Leitung wird die Vernetzung mit dem internationalen Stromnetz erhöht (Verbindung mit Österreich und Italien). Diese Vernetzung bringt den Vorteil, dass das Engadin zuverlässiger mit Strom versorgt werden kann, sollte die eigene Stromproduktion ausfallen.

Projektumbauvorhaben

Was beinhaltet das Umbauvorhaben?

Die bestehenden 126 Masten zwischen Pradella und La Punt sind bereits heute für zwei 380-kV-Stränge ausgelegt. Das Umbauvorhaben sieht das Auflegen eines zweiten 380-kV-Stranges auf der Gesamtlänge von 48.7 Kilometer zwischen Pradella und La Punt vor. Der bestehende 380-kV-Strang wird auf dieser Strecke saniert.

  • Das Erdseil zwischen Pradella und La Punt wird ersetzt.
  • Damit die neue Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung werden kann, müssen 19 Masten erhöht werden.
  • Weitere 55 Masten müssen aus statischen Gründen verstärkt werden. Zudem werden bei 13 Masten die Mastspitzen erhöht (Fliegerabwehr-Übungsplatz entfällt).
  • Die Energie aus dem Kraftwerk Ova Spin wird neu über das zukünftige 110-kV-EKW-Talnetz abgeleitet.
  • Alle Isolatoren-Ketten werden altersbedingt durch neue Kunststoff-Isolatoren ersetzt.
Wer übernimmt die Kosten für dieses Bauprojekt? Wie teuer ist der gesamte Bau?

Die Kosten für das Umbauvorhaben werden durch Auktionserlöse im grenzüberschreitenden Energieverkehr gedeckt oder über die Netznutzungstarife auf die Strombezüger in der ganzen Schweiz abgewälzt. Die Kosten für den Bau wurden erst provisorisch ermittelt. Es können keine genauen Zahlen genannt werden, da sich diese je nach Ablauf des Bewilligungsverfahrens und nach Wahl der Kompensationsmassnahmen verändern. Gesamthaft mit den nötigen Umbauten in den Schaltanlagen und weiteren Anpassungen ist aber von rund CHF 80-100 Mio. CHF auszugehen.

Welche Alternativen bestehen neben dem Strangnachzug?

Es handelt sich hier um eine bereits für den Strangnachzug gebaute Leitung. Der Nachzug einiger Seile auf den bestehenden Masten verursacht die geringsten Immissionen und hat keine signifikanten Auswirkungen auf die Umwelt.

Bestehen alternative Leitungsführungen für die 380-kV-Leitung?

Nein. Begehren der Gemeinden Ftan und Guarda für eine alternative Linienführung wurden vertieft untersucht. Eine Verlegung ist gemäss dem Kanton Graubünden und der Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) nicht vorzusehen.

Wegen massiver Mehrbelastung der Siedlungen und Landschaft auf der linken Sonnseite des Oberengadins ist eine alternative Linienführung zur Entlastung des Schweizer Nationalparks gemäss ursprünglichem Begehren der ENHK zudem nicht möglich.

Wurde eine Verkabelung in Betracht gezogen?

Das Umbauprojekt wurde im Rahmen der untersuchten Varianten auf der gesamten Strecke und 4 Teilabschnitten mit einer neuen 380-kV-Kabelleitung verglichen. Der Vergleich wurde in sinngemässer Anwendung des Bewertungsschemas für Übertragungsleitungen des Bundesamtes für Energie (BFE) ausgeführt.

Da es sich bei den geplanten Umbauten lediglich um einen Seilnachzug und eine Sanierung auf bestehenden Masten handelt, stellt eine Verkabelung aus Sicht der Projektanten keine tragbare Alternative dar. Als Ersatzmassnahme soll die 60-kV-Freileitung Pradella – Zernez – Bever durch eine 110-Kilovolt-Kabelleitung ersetzt werden.

Wie lange dauert der Bau? Wann ist dieser abgeschlossen?

Die Umbau- und Sanierungsmassnahmen werden etappenweise durchgeführt. Es muss mit einer Bauzeit von rund 3 Jahre gerechnet werden. Der Bau kann sich aufgrund des Bewilligungsverfahrens verzögern. Somit ist heute noch nicht klar, wann das Bauvorhaben abgeschlossen ist.

Umweltverträglichkeitsbericht

Welche Auswirkungen hat das Bauvorhaben auf Mensch und Umwelt?

Siedlungsräume & Infrastrukturen
Die bestehende Leitung Pradella – La Punt wird beibehalten. Gemäss Umweltverträglichkeitsbericht hat der vorgesehen Leitungsumbau keine relevante Auswirkungen auf Bauzonen, Siedlungen, Naherholung und Tourismus.

Landschaft
Die Leitung Pradella – La Punt ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Landschaft. Rund 60% der Leitung führt durch den Wald und wirkt sich auf das Landschaftsbild deshalb kaum aus. Wegen 18 Masterhöhungen (von insgesamt 126 bestehenden Masten) von 4.6 bis 8 Meter und dem Anbringen von 13 zusätzlichen Mastspitzen von 3.8 bis 6 Meter sowie zusätzlichen Leiterseilen gibt es punktuell geringfügige Beeinträchtigungen der Landschaft.

Fauna
Für die Fauna sind keine relevanten Mehrbelastungen vorhanden. Durch die zusätzlichen Leiterseile zwischen Zernez und La Punt dürfte sich die Kollisionsgefahr für die Vögel kaum erhöhen. Durch den Einsatz eines dickeren Erdseils und der Ersatz der einfachen Leiterseile durch Leiterbündel reduziert sich das Kollisionsrisiko für Vögel. Für Vögel besteht zudem bei einer 380-kV-Leitung kein Stromschlagrisiko. Um die Brutphase nicht zu stören, werden Bauarbeiten in diesbezüglich unproblematischen Jahreszeiten ausgeführt. Mir der vorgesehenen Verkabelung der 60-kV-Freileitung wird eine grosse Gefahrenquelle für die Avifauna eliminiert.

Für die übrige Fauna (Wild, Amphibien, Reptilien) sind durch das Umbauvorhaben keine bis geringe Auswirkungen zu erwarten.

Wald
Für die erforderlichen Fundamentverstärkungen sind sowohl temporäre als auch definitive Rodungen erforderlich. Der gesamte Rodungsbedarf besteht aus 4'625 m2 definitiven Rodungsflächen für Maststandorte sowie 2'772 temporären Rodungen für Erschliessungen und Installationen.

Vegetation, Boden & Wasser
Flora, Grundwasser und Boden werden durch das Umbauvorhaben minimal beeinträchtigt.

  • 13 Flachmoore werden von der Leitung überspannt. Zudem verlaufen drei Kilometer der Leitung über Trockenwiesen und Weiden. 10 Masten, die einer Fundamentverstärkung bedürfen, befinden sich im Bereich von Trockenwiesen.
  • 23 Masten befinden sich im Einzugsgebiet von Grundwasser. Die Umbauarbeiten werden von einem Hydrogeologen begleitet, um Verschmutzungen des Grundwassers zu verhindern.

Der Boden wird durch die Bauarbeiten fast ausschliesslich in bereits früher, durch die Errichtung der Leitung gestörten Bereichen tangiert.

Welche Massnahmen für die Umwelt, Fauna und Landschaft werden umgesetzt?

Für Eingriffe in der Nähe von sensiblen Standorten (Bsp. Moore, Trockenwiesen, Wald) ist eine konsequente ökologische Baubegleitung geplant. Als Ersatzmassnahme wird die 60-kV-Freileitung Pradella – Zernez – Bever durch eine 110-kV-Kabelleitung ersetzt.

Wird die Verordnung für nichtionisierende Strahlung (NISV) eingehalten?

Ja, die NISV wird vollumfänglich eingehalten.

11 Orte mit empfindlicher Nutzung (OMEN) gemäss NISV wurden eruiert. An diesen Orten wurden separate Berechnungen durchgeführt. Die Immissions- und Anlagengrenzwerte werden überall eingehalten.

Werden die Lärm-Immissionsgrenzwerte gemäss Lärmschutzverordnung (LSV) eingehalten?

Freileitungen können je nach Wetter (Feuchtigkeit) Korona-Entladungen entwickeln, was mit einem Knistergeräusch wahrgenommen wird. Um den Immissionsgrenzwert einzuhalten, sind geräuschärmere, dickere Leiterseile und Leiterbündel geplant. Durch die Umsetzung dieser Massnahmen werden die geforderten Grenzwerte auf der gesamten Leitung eingehalten.

Gibt es Ersatzleistungen, z.B. Entschädigungen für Landbesitzer aufgrund von Entwertungen?

Da die Leitung schon besteht und die NISV und LSV eingehalten werden, sind keine Kompensationsmassnahmen für Land- und Immobilien-Besitzer vorgesehen. Allfälliger Kulturschaden, der bei den Bauarbeiten entsteht, wird selbstverständlich nach den üblichen Ansätzen entschädigt. Als Ersatzmassnahme wird die 60-kV-Freileitung Pradella – Zernez – Bever durch eine 110-kV-Kabelleitung ersetzt.

Müssen neue Dienstbarkeitsverträge abgeschlossen werden?

Die Ende der 1960er Jahren auf eine Laufzeit von 80 Jahren abgeschlossenen Dienstbarkeitsverträge behalten ihre Gültigkeit.

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