Freileitung

Das Rückrat des schweizerischen Übertragungsnetzes ist das 6`700 km lange Freileitungsnetz der Spannungsebene 220 und 380 kV. Die Freileitungstechnologie auf Höchstspannungsebene sichert die Stromversorgung bereits seit über 100 Jahren. Die Übertragung elektrischer Leistung durch Wechselstrom-Freileitungen war und ist eines der wichtigsten Bestandteile heutiger Energieübertragungssysteme weltweit.

Technologische Entwicklungen

Im Stromnetz bestehen Potenziale zur besseren Ausnutzung vorhandener Leitungskapazitäten, welche in direktem Zusammenhang mit den jeweiligen Leiterseiltemperaturen stehen. Daher setzt die Erschliessung solcher Kapazitäten ein flächendeckendes Leiterseilmonitoring inklusive lokalen Wetterprognosen voraus.

Die Anforderungen sind einfach. Messgeräte, die direkt am Seil befestigt sind, übermitteln ihre Messwerte online an eine Überwachungsstation und das Leitsystem des Netzbetreibers. Je niedriger die Umgebungstemperatur oder windiger es ist, desto mehr Strom können die Leitungen transportieren. Bislang wird Leiterseilmonitoring nur von einigen Netzbetreibern in den Übertragungs- und Verteilungsnetzen durchgeführt.

Der Austausch konventioneller Leiterseile gegen Hochtemperaturseile kann die Leistungsfähigkeit des Stromnetzes ebenfalls entscheidend verbessern. Hochtemperaturseile sind zwar teurer als herkömmliche Leiterseile, können jedoch höhere Temperaturen und damit höhere Übertragungsleistungen verkraften.

Auch im Design der Mastentypen gibt es Entwicklungen, die dazu führen können, ihre Einbettung in die Landschaft stark zu verbessern.

Konsequenzen für das Übertragungsnetz

Freileitungen sind relativ häufig wetterbedingten Störungen ausgesetzt wie zum Beispiel Blitzeinschlag. Allerdings hinterlassen diese nur selten aufwändig zu beseitigende Schäden. Die meisten Fehler können durch eine im Regelfall automatische Wiedereinschaltung behoben werden. Selbst bei Störungen mit mechanischen Schäden an der Leitung kann die Versorgung oft innerhalb weniger Stunden wiederhergestellt werden, da Freileitungen im allgemeinen gut zugänglich sind und Schäden sehr schnell gefunden und behoben werden. Die Ausfallzeiten nach einer Störung bei einem Erdkabel sind im Schnitt wesentlich länger: dies hat direkten Einfluss auf die Netzverfügbarkeit und damit auf die Versorgungssicherheit.

Freileitungen bleiben daher beim aktuellen Stand der Technik erste Wahl für den Netzausbau und dienen als Basis bei der Projektierung.