Fragen und Antworten

Ist Swissgrid denn jetzt für oder gegen Erdverkabelungen?

Swissgrid ist offen für beide Technologien, sowohl für Freileitungen als auch für Erdverkabelungen. Deshalb wird Swissgrid künftig bei jedem Projekt eine Erdverkabelung ebenso prüfen wie eine Freileitung. Die anstehenden Praxistests dienen dazu, Erkenntnisse darüber zu erhalten, wie und in welchem Umfang der Einsatz der Erdverkabelung in der Schweiz aufgrund der Systemkomplexität möglich ist.

Nach welchen Kriterien wird entschieden, ob eine Leitung als Freileitung oder Erdverkabelung geführt wird?

Swissgrid wird bereits zu Beginn der Planungen mögliche Erdverkabelungsvarianten prüfen. Als unterstützendes Instrument bei einem Entscheid kommt das «Bewertungsschema für Übertragungsleitungen» des Bundesamts für Energie (BFE) zur Anwendung, das Aspekte wie Raumentwicklung, Technologie und System, Umweltschonung sowie Wirtschaftlichkeit einbezieht.

Schneiden Erdverkabelungen bei den Aspekten Natur und Umwelt immer besser ab als Freileitungen?

Die ökologische Gesamtbetrachtung eines Vergleichs hängt immer von den regionalen und lokalen Gegebenheiten ab und muss deshalb bei jedem Projekt neu beurteilt werden.

In Landschaften oder Moorlandschaften von nationaler Bedeutung werden neue Freileitungstrassees möglichst vermieden und Erdverkabelungen unter keinen Umständen gebaut. In beiden Fällen wird eine «Umfahrung» der Gebiete geplant, wobei dies bei der Freileitung aufgrund des geringeren Platzbedarfs bedeutend einfacher und damit kostengünstiger zu realisieren ist.

Waldgebiete können mit Freileitungen überspannt werden, es sind ausser bei den Maststandorten kaum Rodungen notwendig. Auf dem Trassee müssen die Bäume lediglich niedergehalten werden. Erdverkabelungen hingegen lassen keinen Baumbewuchs auf dem Trassee zu, weil es jederzeit auch für schwere Baugeräte zugänglich sein muss.

In Grundwasserschutzzonen, Auen oder Trockenwiesen dürfen keine Erdverkabelungen gebaut werden. Mittels Freileitungen können solche Gebiete überspannt werden.

Beim Landschaftsbild – sofern keine grossen Waldflächen betroffen sind – schneidet die Erdverkabelung tendenziell besser ab.

Können Erdverkabelungen ohne Widerstand realisiert werden?

Erfahrungen aus Deutschland zeigen, dass sich insbesondere betroffene Grundeigentümer gegen Erdverkabelungen aussprechen. Auch aus landwirtschaftlichen Kreisen werden vor allem im Zusammenhang mit der Beanspruchung des Bodens und seiner Struktur Bedenken geäussert. Betroffene Bauern befürchten Ertragseinbussen und Wertminderungen. Es ist davon auszugehen, dass es auch in der Schweiz Einsprachen gegen Erdverkabelungen geben wird.

Welche Variante ist bei einer Betriebsstörung vorteilhafter?

Für eine maximale Versorgungssicherheit muss die Zeit, in welcher eine Leitung nicht für den Betrieb zur Verfügung steht, auf ein Minimum reduziert werden. Leitungen sollen also möglichst wenig ausfallen und bei einer Betriebsstörung muss die Ausfallzeit planbar und möglichst kurz gehalten werden können. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Leitung über oder unter Boden geführt wird.

Eine Freileitung fällt im Schnitt häufiger aus als eine Erdverkabelung, insbesondere aufgrund von Blitzschlag. Die meisten Fehler können allerdings durch eine automatische Wiedereinschaltung innerhalb weniger Sekunden behoben werden. Der Nachteil der Erdverkabelung ist die je nach Störung sehr lange Ausfallzeit. Nach diversen Studien kann sie bis zu 270 Stunden pro Jahr höher liegen als bei Freileitungen. Diese Tatsache wird auf verschiedenste Aspekte zurückgeführt, die sich zum Teil auch gegenseitig verstärken: Fehlerortung, Schadenfeststellung, lange Fabrikationszeiten der Ersatzteile, Probleme bei Zufahrt und Logistik, aufwändige Reparaturarbeiten.

Wie kann die Verfügbarkeit einer Erdverkabelung erhöht werden?

Um die Verfügbarkeit auf das Niveau von Freileitungen zu erhöhen, werden Reserveleiter benötigt, welche den Ausfall einer Kabelleitung kompensieren können. Das nützt aber nur etwas, wenn die Störungsursache auf einen Kabelstrang beschränkt ist und nicht die gesamte Anlage betrifft.

Welche Technologie ist unter dem Aspekt der Minimierung von Transportverlusten vorzuziehen?

Diese Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, weil die Höhe des Transportverlusts bei beiden Technologien von verschiedenen Komponenten und von der konkreten technischen Ausführung abhängt.

Die Diskussion rund um die Verluste entstand mit dem Urteil des Bundesgerichts im Fall Riniken. Dieses Urteil bezieht sich auf eine sehr kurze Teilstrecke von nicht einmal 1000 Metern, welche in gut zugänglichem Gebiet ohne besondere topografische oder geologische Schwierigkeiten liegt.

Bisherige Studien, die sich mit dem Vergleich zwischen Freileitungen und Erdverkabelungen auseinandergesetzt haben, kommen zu keinem eindeutigen Ergebnis. In den wenigsten Studien wurden sämtliche Verlustkriterien berücksichtigt. Insbesondere die Zusatzverluste, welche nur bei Erdverkabelungen entstehen, wurden in den Studien nur selten adressiert. Bei Kabelanlagen darf zudem nicht vergessen werden, dass auch die Verluste in zu installierenden Filter- und Kompensationsanlagen berücksichtigt werden müssen. Die Erwartung, wonach die Leitungsverluste bei Erdverkabelungen immer geringer seien als bei Freileitungen, wird durch die Metastudie der Technischen Universität Ilmenau aus dem Jahr 2011 relativiert. Die tatsächlichen Verluste hängen immer von der jeweiligen Ausgestaltung der Projekte ab.

Aufgrund der geringen Aussagekraft bisheriger Studien zum Aspekt Verluste ist eine fundierte wissenschaftliche Begleitung der Praxistests für künftige Technologieentscheide sehr wichtig.

Kompensiert Swissgrid den Bau neuer Freileitungen?

Swissgrid ist darum bemüht, mit den jeweiligen Verteilnetzbetreibern, den Kantonen und dem Bund Lösungen zu suchen. Ziel ist es, zusätzliche Freileitungskilometer mit der Verkabelung einer Leitung der unteren Netzebene zu kompensieren oder Trassees zusammenzulegen.

Von den rund 1300 Kilometern an Leitungen, die Swissgrid neu- oder umbauen muss, handelt es sich bei zirka 1000 Kilometern um Umbauten, bei denen bereits bestehende Trassees genutzt werden.

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