Strategisches Netz

Das Übertragungsnetz ist der Schlüssel für eine nachhaltige Energiezukunft

Das Schweizer Stromsystem befindet sich im grössten Umbruch seiner erfolgreichen Geschichte. Die Energiewende bringt einen Paradigmenwechsel von einem zentralen zu einem dezentralen Energiesystem mit sich. Die zunehmend volatile Stromerzeugung durch den wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien sowie der Verbrauchszuwachs durch E-Mobility und Wärmepumpen bringen zusätzliche Herausforderungen für einen sicheren Netzbetrieb. Das hat weitreichende Auswirkungen auf die Stromwirtschaft in der Schweiz und ganz Europa.

Die Modernisierung des Übertragungsnetzes hat sich in den letzten Jahrzehnten verlangsamt. Bloss ein Drittel des insgesamt 6700 Kilometer umfassenden Übertragungsnetzes von Swissgrid stammt aus der Zeit nach 1980. Die Anforderungen an das Stromnetz haben sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahrzehnten noch verstärken. Zum einen gehen neue dezentrale Energiequellen und Kraftwerke (Photovoltaik, Windkraft) ans Netz, zum anderen wird der Stromkonsum durch die Dekarbonisierung in Zukunft spürbar wachsen.

Die stetig steigenden Anforderungen führen bereits heute zu strukturellen Engpässen im Übertragungsnetz. In Zukunft werden diese sogar noch zunehmen. Um den sicheren, leistungsfähigen und effizienten Betrieb des Schweizer Stromsystems zu gewährleisten, müssen diese Engpässe beseitigt werden. Damit das Übertragungsnetz zukünftigen Bedürfnissen gerecht wird, erstellt Swissgrid periodisch einen Mehrjahresplan – das Strategische Netz – für dessen Weiterentwicklung.

Die Modernisierung des Übertragungsnetzes ist der Schlüssel für eine nachhaltige Energiezukunft und orientiert sich am Szenariorahmen Schweiz des Bundes. Das Übertragungsnetz leistet als Rückgrat für eine sichere Stromversorgung einen zentralen Beitrag zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050.

Netzentwicklungsprozess

Die schrittweise in Kraft getretenen Bestimmungen des Bundesgesetzes über den Um- und Ausbau der Stromnetze («Strategie Stromnetze») regeln seit 2021 den Netzentwicklungsprozess in der Schweiz.

In der Planungsphase des Netzentwicklungsprozesses entwirft das Bundesamt für Energie (BFE) einen energiewirtschaftlichen Szenariorahmen Schweiz. Er wird vom Bundesrat genehmigt und dient künftig als Grundlage für die Planung der schweizerischen Stromnetze – mit dem Ziel, die Stromnetze möglichst optimal auf die künftigen energiewirtschaftlichen Entwicklungen in der Schweiz auszurichten. Der Szenariorahmen beinhaltet drei Szenarien, welche die Bandbreite möglicher energiewirtschaftlicher Entwicklungen abbilden. Auf Basis dieses Szenariorahmens ermittelt Swissgrid den Bedarf für Anpassungen am Übertragungsnetz. Die Planungsphase wiederholt sich alle vier Jahre, wodurch die Netzentwicklung stetig an sich verändernde Rahmenbedingungen angepasst werden kann.

In der Projektierungsphase entwickelt Swissgrid konkrete Projekte, die den im Strategischen Netz festgestellten Bedarf abdecken. Jedes Projekt durchläuft im Normalfall sowohl ein nationales Sachplanverfahren für Übertragungsleitungen (SÜL) beim BFE als auch ein Plangenehmigungsverfahren beim Eidgenössischen Strominspektorat ESTI.

Sobald alle erforderlichen Genehmigungen vorliegen, startet Swissgrid in der Realisierungsphase mit dem Bau der jeweiligen Projekte.

Nach Inbetriebnahme der Anlagen überprüft Swissgrid zudem, ob die im Strategischen Netz angenommenen Kosten der Projekte und deren erwarteter Nutzen der Realität entsprechen und was mögliche Gründe für Abweichungen sind. Die Erkenntnisse aus diesen Analysen fliessen wiederum in die nächste Planungsphase ein.


Grundsätze der langfristigen Netzplanung

Swissgrid ist die Planung eines Netzes wichtig, das nachhaltig, ressourcenschonend, umweltverträglich und volkswirtschaftlich effizient ist. Das Übertragungsnetz der Zukunft soll im Betrieb stabil und sicher sein. Der Netzausbau erfolgt nicht auf Vorrat, sondern auf Basis von nachvollziehbaren und transparenten Abwägungen. Deshalb orientiert sich Swissgrid bei der Erstellung des Strategischen Netzes an folgenden zentralen Grundsätzen:

  1. Umweltbeeinflussungen minimieren: Swissgrid baut das Netz nicht auf Vorrat aus. Das bestehende Netz wird möglichst effizient betrieben. Wo immer möglich optimiert Swissgrid zuerst das bestehende Netz und verstärkt dieses bei Bedarf. Dauerhaft nicht benötigte Leitungen und Unterwerke werden nach Möglichkeit zurückgebaut. Sofern eine neue Leitung benötigt wird, berücksichtigt Swissgrid bei der Suche nach dem besten Leitungskorridor und bei der Wahl der Übertragungstechnologie (Freileitung oder Verkabelung) die Auswirkungen auf Raum und Umwelt, genauso wie technische Aspekte und die Wirtschaftlichkeit.
    Die Bündelung von Übertragungsleitungen mit Nationalstrassen und Eisenbahnstrecken reduziert dabei die Anzahl paralleler Trassen. Im Strategischen Netz wird der Ausbaubedarf zwischen sogenannten Netzknoten ermittelt. Der Leitungskorridor und die Übertragungstechnologie werden erst im Rahmen der später folgenden «Räumlichen Koordination (Nationales Sachplanverfahren)» definitiv festgelegt.
  2. Zukünftige Netzengpässe vermeiden: Swissgrid identifiziert Netzelemente, bei welchen es zukünftig immer wieder zu Engpässen kommen wird. Dazu stützt sich Swissgrid auf Erkenntnisse aus dem aktuellen Netzbetrieb sowie auf eine Netzsimulation des Zieljahres 2040. Bestehende und zukünftige Engpässe werden durch Netzoptimierung, Netzverstärkung und Netzausbau behoben.
  3. Dynamische Netzstabilität gewährleisten: Der Rückbau von Grosskraftwerken in ganz Europa reduziert die rotierende Masse am Übertragungsnetz. Die Massenträgheit der grossen Generatoren stabilisiert heute noch die Frequenz des Stromnetzes. Swissgrid und die ausländischen Übertragungsnetzbetreiber prüfen in Stresstests, ob in Zukunft die Netzstabilität noch gewährleistet ist oder ob im Rahmen der Netzplanung Massnahmen ergriffen werden müssen.
  4. Flexibilität von Speichern, Erzeugern und Verbrauchern berücksichtigen: Flexibilitätspotenziale dank künstlicher Intelligenz, dezentraler Verbrauchssteuerung und smartem Peak Shaving bei Photovoltaik- und Windproduktion kann Swissgrid nur dann bei der Netzplanung berücksichtigen, wenn diese jederzeit durch Swissgrid aktivier- und nutzbar ist. Hierfür müssen regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen, Produkte entwickelt und Verträge abgeschlossen werden, was heute noch nicht ausreichend der Fall ist.
  5. Positives Kosten-Nutzen-Verhältnis sicherstellen: Für jedes Netzprojekt, dessen Kosten über CHF 1.0 Mio. liegen, führt Swissgrid einen einheitlichen Kosten-Nutzen-Vergleich durch und dokumentiert diesen. Der Nutzen eines Netzprojekts wird für verschiedene Kriterien entweder monetär, quantitativ oder qualitativ ausgewiesen.
  6. Transparent kommunizieren und mit relevanten Stakeholdern koordinieren: Swissgrid koordiniert die langfristige Netzplanung mit allen relevanten Stakeholdergruppen. Dazu gehören beispielsweise die Übertragungsnetzbetreiber der Nachbarländer, die am Schweizer Übertragungsnetz angeschlossenen Verteilnetz- und Kraftwerksbetreiber sowie das Bundesamt für Energie (BFE) und die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom). Das Vorgehen und die Resultate des Strategischen Netzes kommuniziert Swissgrid transparent und nachvollziehbar.

Strategisches Netz 2040

Aufgrund der neuen gesetzlichen Bestimmungen entwickelt das BFE den ersten Szenariorahmen Schweiz für die Zieljahre 2030 und 2040. Dabei stützt es sich auf die energiepolitischen Ziele des Bundes, die gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten und berücksichtigt das internationale Umfeld. Die Verteilnetzbetreiber (VNB) der Netzebene 3 haben zusammen mit Swissgrid einen Prozess definiert, wie die Vorgaben zu Produktion und Verbrauch aus dem Szenariorahmen auf die einzelnen Netzknoten herunterzubrechen sind (Regionalisierungsprozess).

Voraussichtlich im Herbst 2022, nach Genehmigung des Szenariorahmens Schweiz durch den Bundesrat, beginnt Swissgrid mit der Aktualisierung ihres Mehrjahresplans für die langfristige Netzplanung, dem sogenannten «Strategischen Netz». Das «Strategische Netz 2040» beschreibt und begründet die vorgesehenen Netzprojekte für das Zieljahr 2040. Nach neun Monaten muss Swissgrid das «Strategische Netz 2040» der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) zur Prüfung vorlegen, welche ebenfalls neun Monate dauert. Danach publiziert Swissgrid das «Strategische Netz 2040» voraussichtlich im Sommer 2024 über ihre Kommunikationskanäle.

Das Gesetz sieht vor, dass sich dieser Prozess alle vier Jahre wiederholt.


Strategisches Netz 2025

Bereits 2015, also vor Inkrafttreten der gesetzlichen Bestimmungen zum Netzentwicklungsprozess, erarbeitete Swissgrid einen Mehrjahresplan für die bedarfsgerechte Modernisierung des Übertragungsnetzes: das «Strategische Netz 2025». Das «Strategische Netz 2025» umfasst zehn Projekte. Die ermittelten Projekte befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Umsetzung. Die nachfolgende Darstellung bietet dazu eine Übersicht.

Swissgrid konnte einige Projekte aus dem «Strategischen Netz 2025» bereits abschliessen, andere befinden sich in der baulichen Ausführung. Damit leistet Swissgrid einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Viele Projekte befinden sich jedoch weiterhin in verschiedenen Phasen der Projektierung. Grund dafür sind langwierige Genehmigungsverfahren sowie Verzögerungen wegen Einsprachen oder Gerichtsverfahren.

Im Rahmen der Netzplanung im «Strategischen Netz 2040» überprüft Swissgrid den Bedarf für die noch nicht realisierten Projekte aus dem «Strategischen Netz 2025». Nur Projekte, deren Bedarf sich weiterhin bestätigt, werden umgesetzt. Für die langfristige Versorgungssicherheit der Schweiz ist ein bedarfsgerecht ausgebautes Netz unerlässlich. Deshalb ist es wichtig, dass Politik, Behörden und die Bevölkerung den Bau dieser zentralen Infrastrukturen unterstützen und die Modernisierung des Übertragungsnetzes durch effiziente Bewilligungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt wird.


Downloads


  • Bewilligungsverfahren

    Swissgrid ist für die Projektierung und Realisierung von Übertragungsleitungen zuständig.

    Mehr erfahren

Kontakt

Anrede

Bitte wählen Sie die Anrede aus.

Bitte geben Sie Ihren Vornamen an.

Bitte geben Sie Ihren Nachnamen an.

Bitte geben Sie eine gültige E-Mail Adresse ein.

Geben Sie bitte Ihre Nachricht ein.

Klicken Sie bitte die Checkbox an.