Market Coupling: Technische Voraussetzungen für die Kopplung wurden geschaffen

Energie wird vom einen Land in ein anderes Land verkauft. Die für den Transport der Energie notwendigen grenzüberschreitenden Kapazitäten sind aber nur begrenzt vorhanden. Deshalb müssen Energiehändler – bevor sie ein grenzüberschreitendes Geschäft ausführen können – bei den Übertragungsnetzbetreibern die dafür notwendigen grenzüberschreitenden Transportkapazitäten ersteigern.

Um diese begrenzt vorhandenen Transportkapazitäten möglichst effizient zu nutzen, vergeben Übertragungsnetzbetreiber die freien Kapazitäten mit einem marktorientierten Zuteilungsverfahren.

Energiehändler prognostizieren heute in den verschiedenen Ländern die Nachfrage nach Energie und die voraussichtliche Erzeugung. Basierend auf diesen Annahmen schätzen sie die Marktpreise in den verschiedenen Märkten. Die begrenzt vorhandenen Transportkapazitäten an den Marktgrenzen werden bei diesem Verfahren nicht zu jeder Zeit voll ausgeschöpft. Dies kann zu ökonomischen Ineffizienzen führen.

Market Coupling schafft die Voraussetzung dafür, dass die grenzüberschreitenden Transportkapazitäten noch effizienter genutzt werden können.

Zur effizienteren Nutzung der grenzüberschreitenden Transportkapazitäten hat die Europäische Union im Jahr 2009 Vorgaben zum Zusammenschluss der Märkte zu einem europäischen Strombinnenmarkt – also einer Marktkopplung oder eben «Market Coupling» – definiert.

Für den Day-Ahead-Markt, in welchem der Energiehandel für den nächsten Tag erfolgt, wurde der Grundstein für den europäischen Strombinnenmarkt bereits 2006 mit dem Trilateral Market Coupling zwischen Frankreich, Belgien und den Niederlanden gelegt. Mittlerweile ist dieser Prozess zur Schaffung eines integrierten Strombinnenmarktes in Europa bereits sehr weit fortgeschritten.

Für den Intra-Day-Markt, in welchem Energie für den aktuellen Tag gehandelt wird, ist Market Coupling erst in Vorbereitung.

Im heutigen System führt Swissgrid den Handel der grenzüberschreitenden Übertragungsrechte mittels expliziter Auktionen durch. Gleichzeitig wird an den Energiebörsen in einem separaten Markt die Energie über alle Grenzen hinweg gehandelt. Der Handel der Kapazitäten und der Handel von Energie erfolgen also getrennt voneinander in unterschiedlichen Prozessen.

Market Coupling bedeutet, dass die beiden genannten Prozesse und damit die Märkte für Kapazitäten und Energie zu einem einzigen integrierten Strommarkt zusammengeschlossen oder eben gekoppelt werden. Dadurch erfolgen der grenzüberschreitende Handel von Energie und die Vergabe der dafür notwendigen Transportkapazität neu gemeinsam – in einer impliziten Auktion. Die Preisermittlung für Energie und grenzüberschreitende Transportkapazität erfolgt an der Spotenergiebörse, die damit im Market Coupling eine zentrale Rolle einnimmt. Doch wie funktioniert dieses Market Coupling?

Verschiedene Partner sind zu unterschiedlichen Zeitpunkten am Market Coupling beteiligt. Dazu gehören Übertragungsnetzbetreiber, gemeinsame Dienstleister zur Kapazitätsberechnung, Spotenergiebörsen und weitere. Market Coupling erfordert deshalb eine anspruchsvolle Koordination zwischen allen beteiligten Partnern. Die angestrebten Effizienzgewinne können nur erzielt werden, wenn die komplexen Abläufe optimal ineinander greifen.

Im Faktenblatt unter «Downloads» finden Sie eine vereinfachte Darstellung zur Funktionsweise von Market Coupling. Im Fachbeitrag aus dem VSE-Bulletin können Sie den detaillierten chronologischen Prozess des Market Coupling nachlesen.

Market Coupling ermöglicht es, günstige Energieangebote in einem Land zur Deckung einer Energienachfrage in einem anderen Land mit einem höheren Preisniveau zu nutzen. Idealerweise gleichen sich dadurch die Preise in allen gekoppelten Märkten an. Dies führt zu einem optimierten Kraftwerks- und Mitteleinsatz sowie zu einer optimalen Ausnutzung der grenzüberschreitenden Transportkapazitäten unter Berücksichtigung der Engpässe.

Für die gesamte betrachtete Region resultiert daher immer ein volkswirtschaftlicher Nutzen. Gemäss der europäischen Vereinigung für die Zusammenarbeit der Energieregulierungsbehörden (ACER) kann für die Schweiz ein grosser volkswirtschaftlicher Nutzen resultieren. Wie hoch dieser für die Schweiz mit der Einführung von Market Coupling an allen Grenzen sein wird, lässt sich zum heutigen Zeitpunkt nicht präzise voraussagen.

Das Faktenblatt unter «Downloads» zeigt anhand eines stark vereinfachten Beispiels, warum Market Coupling zu einer höheren Effizienz führt.

Swissgrid hat sich 2013 gegenüber der Politik, der Energiewirtschaft und der Industrie verpflichtet, die Einführung des Market Coupling mit den umliegenden Ländern vorzubereiten. Swissgrid hat deshalb ein Projekt gestartet, das sowohl die technisch-betrieblichen Voraussetzungen schafft als auch die kommerzielle Kopplung an den europäischen Strombinnenmarkt umsetzen soll.

In enger Zusammenarbeit mit ihren Projektpartnern hat Swissgrid per Ende 2014 die technisch-betriebliche Kopplungsbereitschaft sichergestellt und damit alle Voraussetzungen für die Kopplung der Schweiz mit dem europäischen Strombinnenmarkt getroffen. Die Einführung des eigentlichen Market Coupling – also der kommerziellen Kopplung – kann allerdings erst erfolgen, wenn die Schweiz und die Europäische Kommission entsprechende politische Vereinbarungen getroffen haben. Angesichts der technischen Bereitschaft bedauert Swissgrid, dass die geplante kommerzielle Kopplung der Schweiz an den europäischen Strombinnenmarkt aus politischen Gründen noch nicht erfolgen kann.

Der Fachbeitrag aus dem VSE-Bulletin unter «Downloads» zeigt auf, wie die technisch-betrieblichen und kommerziellen Prozesse ablaufen und ineinandergreifen.

Wozu dient Market Coupling?

Market Coupling bedeutet, dass grenzüberschreitende Märkte für Energiehandel und Energietransport zu einem einzigen Markt zusammengeschlossen werden. Dadurch kann das günstige Angebot an Energie in einem Land dazu genutzt werden, die hohe Nachfrage nach Energie in einem anderen Land mit einem höheren Preisniveau zu decken.

Idealerweise gleichen sich so die Preise in allen betroffenen Märkten an und es kommt zu einem optimierten Kraftwerks- und Mitteleinsatz sowie einer optimalen Ausnutzung der bestehenden grenzüberschreitenden Transportkapazitäten unter Berücksichtigung der Engpässe.

Insgesamt erhöht sich dadurch die Markteffizienz und die Integration lokaler sowie regionaler Märkte in einen europäischen Strommarkt wird vorangetrieben.

Wann wird Market Coupling in der Schweiz eingeführt?

In enger Zusammenarbeit mit ihren Projektpartnern hat Swissgrid per Ende 2014 die technisch-betriebliche Kopplungsbereitschaft sichergestellt und damit alle Voraussetzungen für die Kopplung der Schweiz mit dem europäischen Strombinnenmarkt getroffen.

Swissgrid und die europäische Strombörse EPEX SPOT haben im November 2013 eine Vereinbarung unterzeichnet, die das Market Coupling auf dem Schweizer und europäischen Strommarkt ermöglicht. Die Einführung des eigentlichen Market Coupling kann allerdings erst erfolgen, wenn die Schweiz und die Europäische Kommission entsprechende Vereinbarungen getroffen haben.

Wie funktioniert Market Coupling in der Praxis?

Beim Market Coupling (auch implizite Auktion genannt) werden Energiegeschäft und Kapazitätsrechte gemeinsam vergeben. Die entsprechenden Angebote und Nachfragen der Energiehändler werden an der Spotenergiebörse gebündelt. Die verfügbaren grenzüberschreitenden Transportkapazitäten zwischen den Märkten der beteiligten Länder werden dann genutzt, um günstigere Angebote in teureren Märkten anzubieten. Ein entsprechender Algorithmus sorgt dafür, dass dies effizient über alle beteiligten Märkte abgewickelt wird. Mit Market Coupling führen nur noch die Börsen grenzüberschreitende Energiegeschäfte durch.

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