Winterplanung

Die Gewährleistung des sicheren Netzbetriebs in der Schweiz ist im Winter jeweils mit erhöhten Anforderungen verbunden. Im Winter wird in der Schweiz mehr Energie verbraucht als im Sommer. Deshalb ist die Schweiz im Winter auf Importe angewiesen, um den höheren Strombedarf im Inland zu decken.

 
Die Netzsituation präsentiert sich derzeit stabil und unkritisch. Die zur Verfügung stehende Netto-Importkapazität der Schweiz wurde maximiert und ist in diesem Winter wesentlich höher als im vergangenen Jahr. Unter anderem wurden Ausserbetriebnahmen so weit wie möglich auf die Zeit nach dem Winter verschoben. Die resultierende Importkapazität ist bis Ende Januar nur teilweise ausgenutzt worden und lag im Durchschnitt unter 50%. Die Speicherproduktion war in dieser Zeit auf sehr hohem Niveau, so dass der Füllstand der Speicherseen Mitte Januar 2017 einen neuen saisonalen Tiefst-Stand erreichte.

Seit Anfang Februar sind jedoch wesentlich höhere Importe zu verzeichnen. Die Differenz zum langjährigen Median der Füllstandskurve hat sich seither verringert. Für das Netz ergibt sich dadurch eine höhere Belastung, insbesondere der Transformatoren, jedoch nicht in einem kritischen Bereich.

Swissgrid hat im Rahmen ihrer definierten Verantwortung alle notwendigen Massnahmen getroffen, damit das Übertragungsnetz jederzeit verfügbar ist. So steht den Marktteilnehmern ein Tool zur Verfügung, mit dem sie die Netto-Importkapazität in verschiedenen Lastfluss-Situationen abschätzen können. Darüber hinaus hat Swissgrid Kraftwerksleistung reserviert («Winter-Absicherungsprodukte»), die in extremen Netzsituationen abgerufen werden kann, um Engpässe zu bewältigen. Eine solche Situation könnte z.B. dann eintreten, wenn bei sehr hohen Importen zeitgleich ein Transformator ausfällt.

Trotz der von Swissgrid umgesetzten Massnahmen zur Maximierung der Netto-Importkapazität verbleiben Risiken. Beispielsweise ist es nicht sicher, ob die ausländischen Übertragungsnetzbetreiber entsprechende Kapazitäten in Exportrichtung zur Verfügung stellen können. Zudem kann der Ausfall von Netzelementen im Schweizer Übertragungsnetz nicht ausgeschlossen werden.

Eine verstärkte Beobachtung der allgemeinen Lage bleibt in den kommenden Wochen deshalb notwendig.

 
Swissgrid ist für den Betrieb, den Unterhalt, die Erneuerung und den bedarfsgerechten Ausbau des Übertragungsnetzes mit den Spannungen 380 kV und 220 kV auf der Netzebene 1 verantwortlich. Damit leistet Swissgrid einen wesentlichen Beitrag zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit in der Schweiz.

Das 380-kV-Netz dient aufgrund seiner grösseren Übertragungskapazität dem Transport sowie dem Stromaustausch mit dem Ausland. Auf der 220-kV-Ebene erfolgt ein grosser Teil der inländischen Produktion. Die zur Versorgung in der Schweiz notwendige Energie wird ebenfalls primär über das 220-kV-Netz sowie weitere Transformierungen auf die unterlagerten Netzebenen gespeist.

Im Winterhalbjahr erfolgen 75-85% der Importe sowie 80-90% der Exporte über die 380-kV-Spannungsebene. Bei den Importen geschieht dies in der Regel über die Grenzleitungen mit den nördlichen Nachbarstaaten Frankreich, Deutschland und Österreich, dem sogenannten Norddach.

Die Kapazität der Transformatoren, die die Energie von 380 kV auf 220 kV transformieren, bestimmt weitestgehend wieviel an Import zur Versorgung der Schweizer Verbraucher genutzt werden kann. Da die Kapazität für die Transformierung von 380 kV auf 220 kV limitiert ist, sind Importe nur in beschränktem Umfang zur Deckung des Schweizer Strombedarfs nutzbar.

Aufbau des Schweizer Übertragungs- und Verteilnetzes

 
Die Energieversorgung der Schweiz wird im Winter durch inländische Produktion sowie durch Nettoimporte aus dem benachbarten Ausland gedeckt. Die Energieversorger verwenden neben der zur Verfügung stehenden Bandenergie zudem die Wasserreserven aus den Speicherseen, um mit Speicherkraftwerken je nach Strombedarf einen Teil des Verbrauchs mit Spitzenenergie zu decken.

  1. Wieviel Strom die Schweiz benötigt und wie dieser Bedarf gedeckt wird, kann mittels einer Badewanne erklärt werden. Dabei stellt die Badewanne den Verbrauch dar. Je grösser der Verbrauch, desto grösser die Badewanne.
     
  2. Die Versorgungsenergie kann als Wasserinhalt der Badewanne dargestellt werden. Dieser setzt sich aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammen:
    1. Nettoimporte: Die Nettoimporte gelangen grösstenteils mittels Transformierung von 380 kV auf 220 kV und tiefere Spannungsebenen zu den Verbrauchern.
    2. Energie aus Kernkraft- und Laufwasserkraftwerken: Beide Kraftwerkstypen liefern sogenannte Bandenergie. Sie deckt einen wesentlichen Anteil des gesamten Wasserbeckens ab.
    3. Energie aus Speicherkraftwerken: Das in den Speicherseen vorhandene Wasser bildet eine Energiereserve, die jeweils ca. zwischen Oktober und Anfang Mai entleert und in den Sommermonaten wieder aufgefüllt wird. Speicherkraftwerke liefern sogenannte Spitzenenergie.
  3. Die Badewanne hat auch einen Zu- und Abfluss. Zuflüsse sind Importe, Abflüsse sind Exporte von Energie ins Ausland. Die Differenz von Zu- und Abflüssen ergibt die Nettoimporte. Energie, die exportiert wird, steht nicht für die Versorgung der Verbraucher in der Schweiz zur Verfügung.

Energieversorgung und -verbrauch in der Schweiz

 
Der Füllstand der Speicherseen wird vom Bundesamt für Energie (BFE) wöchentlich veröffentlicht und gibt Auskunft über die in der Schweiz verfügbaren Wasserreserven zur Stromproduktion. Die Schweizer Speicherkraftwerke sind die einzige flexible inländische Stromressource. Entsprechend spielen sie für die Gewährleistung des sicheren Netzbetriebs eine zentrale Rolle. Sie erbringen Regelenergie, um Stromverbrauch und Produktion stets im Einklang zu halten, und sie können in kritischen Netzsituationen für Redispatchmassnahmen eingesetzt werden. Die Speicherbewirtschaftung fällt in die Zuständigkeit der Kraftwerkbetreiber.

Aktueller Füllstand der Speicherseen (Englisch)

Datum Beschreibung Format
20.02.2017 Current reservoir levels PDF

 
Im Winter 2015/ 2016 haben Energieunternehmen, Netzbetreiber und Behörden erfolgreich zusammengearbeitet, um die angespannte Energie- und Netzsituation zu bewältigen. In der «Arbeitsgruppe Winter» wurde die Situation analysiert und es wurden Massnahmen und Lösungen entwickelt. Swissgrid und ElCom befürworten eine frühzeitige Abstimmung, damit alle Akteure im Fall einer Verschärfung der Situation schnell und entschlossen handeln können.

Swissgrid und ElCom haben die «Arbeitsgruppe Winter» auch diesen Winter wieder einberufen. Die erste Sitzung hat am 3. November 2016 stattgefunden.

Präsentationen der Arbeitsgruppe Winter

Datum Beschreibung Format
16.02.2017 Präsentation Arbeitsgruppe Winter PDF
03.02.2017 Bericht vorgezogene SDL-Beschaffung Winter 2016/17 PDF
02.02.2017 Präsentation Arbeitsgruppe Winter PDF
17.01.2017 Präsentation Arbeitsgruppe Winter PDF
13.12.2016 Szenarien für die Netto-Importkapazität der Schweiz
im Winter 2016/2017
PDF
01.12.2016 Präsentation Arbeitsgruppe Winter PDF
03.11.2016 Präsentation Arbeitsgruppe Winter PDF
03.11.2016 Präsentation ElCom PDF

Netto-Importkapazität-Tool

Wie von der Arbeitsgruppe «Verantwortung Versorgungssicherheit Elektrizität» vorgeschlagen, soll das Netto-Import-Tool den Marktteilnehmern Informationen über die maximale Netto-Importkapazität der Schweiz liefern. Die Netto-Importkapazität ist die Menge der importierten Energie, die in niedrigere Spannungspegel umgewandelt werden kann, um Kunden in der Schweiz zu versorgen.

Mit dem Tool können Marktteilnehmer die Schweizer Netto-Importkapazität für verschiedene Lastfluss-Szenarien abschätzen. Damit dürften sie besser in der Lage sein, ihre Portfolios so zu planen, dass sie ihre vertraglichen und teilweise auch gesetzlichen Verpflichtungen zur Energieversorgung und Ausgeglichenheit erfüllen. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den Ergebnissen nur um ungefähre Werte handelt. Die den Berechnungen zugrunde gelegten Annahmen und Beschränkungen sind in dem Arbeitsblatt angegeben.

Datum Beschreibung Format
30.01.2017 Netto-Importkapazität Tool XLSB
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