Gotthard-Schoellenen

Bilanzgruppen

Die acht wichtigsten Punkte zum Schweizer Regelenergiemarkt

Autorin: Marie-Claude Debons


Strom kann man im Netz nicht speichern. Damit das System im Gleichgewicht bleibt, muss die produzierte Strommenge daher jederzeit genau dem Verbrauch entsprechen. Swissgrid ist dafür verantwortlich, diesen Ausgleich in der Schweiz zu gewährleisten und damit einen sicheren und stabilen Netzbetrieb mit einer konstanten Frequenz von 50 Hertz (Hz) aufrechtzuerhalten. Kommt es im Stromnetz zu einer Unausgeglichenheit, greift Swissgrid auf Regelenergie und Regelleistung am Schweizer Markt für Regelreserve zurück. Swissgrid entwickelt diesen Markt mit dem Ziel, ihn liquider zu machen, indem sie den Wettbewerb durch eine grössere Anzahl von Teilnehmenden erhöht. Die ergriffenen Massnahmen zeigen bereits Wirkung: So beobachtete Swissgrid einen Rückgang der aktivierten Regelenergie und der Kosten für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Dauerhaft lässt sich ein sicherer Netzbetrieb jedoch nur mit einem Stromabkommen gewährleisten, das unter anderem den Zugang zu den europäischen Plattformen für Regelenergie ermöglicht.

Nachfolgend die acht wichtigsten Punkte zum Schweizer Markt für Sekundär und Tertiärregelenergie:

1. Ausschliesslich auf dem Schweizer Markt

Swissgrid muss die Sekundär- und Tertiärregelreserve auf dem Schweizer Markt beschaffen, wo sie derzeit grösstenteils von den grossen Wasserkraftwerken bereitgestellt wird. Durch ein Stromabkommen mit der EU könnte Swissgrid vom europäischen Regelenergiemarkt profitieren. Dieser ist technologisch wesentlich stärker diversifiziert und liquider als der Schweizer Markt. Das würde nicht nur den stabilen Betrieb des Schweizer Übertragungsnetzes stärken, sondern auch die Kosten für die Beschaffung von Regelenergie erheblich senken.

regelenergieinsatz

2. Schweizer Markt im Wandel

Die Reform des Schweizer Markts für Regelreserve wurde 2009 gestartet. Zu Beginn waren die Kosten sehr hoch. Seit mehr als zehn Jahren setzt sich Swissgrid daher dafür ein, die Kosten der Regelenergie zu senken. Die Umstellung von einem früheren, indexierten auf ein neues gebotsbasiertes Marktmodell veränderte das Marktgeschehen. Auch aus diesem Grund entwickelt Swissgrid den Markt in enger Zusammenarbeit mit den relevanten Stakeholdern weiter, um die Attraktivität des Schweizer Markts für Regelreserve zu stärken.

3. Altes System für alte Zeiten

Das frühere Schweizer Elektrizitätssystem beruhte auf einer relativ stabilen, aber wenig flexiblen Architektur. So wurde es hauptsächlich von grossen Wasser- und Kernkraftwerken getragen und war auf eine geringe Produktionsvolatilität ausgelegt. Im Zuge der Energiewende führte der starke Ausbau der Photovoltaikproduktion zu teils erheblichen Abweichungen zwischen Prognosen und tatsächlicher Erzeugung, was den Einsatz von Regelenergie erhöhte. Darüber hinaus fördert die Revision des Stromversorgungsgesetzes (StromVG) eine flexiblere und dezentralisierte Produktion. Das ermöglicht es Produzenten, Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Speichersystemen, ihre Flexibilität wirtschaftlich zu nutzen. Diese Änderungen wirken sich direkt auf Design und Mechanismen des Schweizer Markts für Regelreserve aus. Mit dem neuen Marktdesign hat Swissgrid die Beteiligung am Schweizer Markt für Regelreserve auf neue Akteure und Technologien ausgeweitet – darunter Batterien, Wärmepumpen, Elektromobilität und dezentrale Ressourcen. Zudem wurden mit der Umstellung auf ein gebotsbasiertes Modell erstmals freie Auktionen ermöglicht. Damit schafft Swissgrid einen liquideren Markt und senkt dank verstärktem Wettbewerb die Beschaffungskosten für Regelleistung.

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4. Das Verursacherprinzip

Der Markt für Regelreserve beruht auf einem Grundprinzip: Wer Unausgeglichenheiten im Stromnetz verursacht, trägt die entsprechenden Kosten. Dieser Mechanismus steht im Einklang mit dem Verursacherprinzip und gilt für alle Akteure, die das Netz aus dem Gleichgewicht bringen.

Somit bezahlen die Bilanzgruppen die Regelenergie, wenn Abweichungen zwischen ihrer Produktion bzw. ihrem Verbrauch und ihrem vereinbarten Fahrplan Unausgeglichenheiten im Netz verursacht. Seit dem starken Zuwachs an Photovoltaik-Anlagen stellen die Produktionsprognosen eine zentrale Herausforderung für die Bilanzgruppen dar. In der Vergangenheit führte das mitunter dazu, dass Swissgrid grosse Mengen an Regelenergie abrufen musste, weil sich die Prognosen der Bilanzgruppen als ungenau erwiesen hatten. In solchen Fällen steigen die Preise naturgemäss an, denn eine hohe Nachfrage innert kurzer Zeit führt zu höheren Preisen.  

5. Stabilerer Markt seit 2025

Swissgrid verzeichnet einen Rückgang der insgesamt aktivierten Sekundärregelenergie: Ein Vergleich der ersten zehn Monate des Jahres 2024 mit demselben Zeitraum des Jahres 2025 zeigt eine Abnahme um 22%. Dank enger Zusammenarbeit mit Swissgrid erzielte die Branche im letzten Jahr grosse Fortschritte und konnte den Abruf von Regelenergie reduzieren. Eine Schlüsselmassnahme war die Verbesserung der Erzeugungsprognosen für Solarstrom. Denn je genauer die Prognosen der Bilanzgruppen sind, desto geringer ist der Bedarf an Regelenergie. Die Abnahme der Aktivierungen ist zudem auf eine neue KI-Lösung für den Einsatz von Regelenergie zurückzuführen, die Swissgrid 2025 eingeführt hat.

6. Anreize zur Stabilisierung des Netzes

Bis Ende 2025 stellte Swissgrid die Regelenergie nach einem Zwei-Preis-System in Rechnung. In diesem System wurden Unausgeglichenheiten pauschal bestraft – auch dann, wenn die Abweichung einer Bilanzgruppe die Unausgeglichenheit des Gesamtsystems verringerte. In enger Zusammenarbeit mit der Branche führte Swissgrid zum 1. Januar 2026 den sogenannten Einheitspreis-Mechanismus ein.  Der neue Mechanismus bietet den Bilanzgruppen nun einen Anreiz, aktiv zum Systemausgleich der Regelzone Schweiz beizutragen, bevor Regelenergie aktiviert werden muss. Und weniger Regelenergie bedeutet geringere Kosten. Bisher bestand der Hauptanreiz lediglich darin, das Gleichgewicht innerhalb der eigenen Bilanzgruppe zu halten. 

7. Die Rolle von Swissgrid

Der Auftrag von Swissgrid besteht darin, das Übertragungsnetz stabil zu betreiben und den Schweizer Markt für Regelreserve zuverlässig, marktorientiert und diskriminierungsfrei zu gestalten. Indem Swissgrid die Zugangsregeln zum Schweizer Markt für Regelreserve weiterentwickelt, schafft sie einen liquideren Markt und senkt die Beschaffungskosten für Regelenergie durch verstärkten Wettbewerb. Die auf dem Markt angebotenen Preise liegen allerdings nicht in der Verantwortung von Swissgrid, sondern werden von den Marktteilnehmenden festgelegt.

8. Balancing Roadmap: Die Marktentwicklung geht weiter

Anfang Februar 2026 veröffentlichte Swissgrid ihre neue Balancing Roadmap. Diese beschreibt die bis 2030 erwarteten Entwicklungen für die verschiedenen Regelreservemärkte sowie für andere Faktoren, die die Frequenzregelung beeinflussen. In den kommenden Jahren wird Swissgrid:

  • den Zugang zu den Regelreservemärkten für neue Technologien und Marktteilnehmende erleichtern und gleichzeitig diskriminierungsfreie Marktbedingungen sicherstellen;
  • eine reibungslose Integration in die europäischen Prozesse der Frequenzregelung ermöglichen, sobald die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen sind;
  • die Nachfrage nach Regelenergie reduzieren, indem sie die Day-Ahead- und Intraday-Märkte stärkt und die Bilanzgruppen aktiv in die Systemstabilisierung einbindet;
  • die Chancen der Digitalisierung und neuer Systeme zur Entscheidungsunterstützung nutzen.


Autorin

Marie-Claude Debons
Marie-Claude Debons

Senior Communication Manager


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