Warum das Thema wichtig ist
Die heutige Netzinfrastruktur stösst zunehmend an ihre Grenzen und muss umfassend modernisiert und erweitert werden. Immer mehr dezentrale Einspeisungen – etwa aus Photovoltaikanlagen, Batteriespeichern oder lokalen Energiegemeinschaften – verändern die Lastflüsse im Netz und erhöhen dessen technische Komplexität massiv. Diese dynamischen Strukturen lassen sich mit herkömmlichen Planungs‑, Dokumentations‑ und Bauprozessen nicht mehr ausreichend präzise erfassen oder steuern. BIM ist somit nicht nur eine technische Innovation, sondern eine strategische Notwendigkeit für die Zukunft des Schweizer Stromnetzes.
Projekt
Herausforderung
Die Modernisierung des Schweizer Höchstspannungsnetzes erfordert deutlich steigende Investitionsraten und eine Vielzahl zeitgleich laufender Grossprojekte. Diese zunehmende Intensität stösst mit klassischen Planungs- und Bauprozessen an Grenzen: Je komplexer die Projekte, desto höher die Risiken für Verzögerungen und Kosten.
Lösungsansatz
Hier setzt Building Information Modeling (BIM) an. Durch eine durchgängig digitale Projektabwicklung – von der ersten Planung über den Bau bis hin zur langfristigen Instandhaltung – schafft BIM die nötige Effizienz und Transparenz für das strategische Netz der Zukunft. Die Transformation ist eine interdisziplinäre Aufgabe, bei der zahlreiche Stakeholder und regulatorische Anforderungen koordiniert werden müssen. BIM integriert diese Daten und bildet so eine fundierte Basis für komplexe Entscheidungen. Gleichzeitig begegnet diese digitale Arbeitsweise dem Fachkräftemangel: Automatisierung und Standardisierung reduzieren manuelle Prozesse, während moderne Technologien auf der Baustelle die Attraktivität der Branche für Nachwuchskräfte steigern. So sichert BIM nicht nur die technologische Umsetzung, sondern auch die personelle Zukunftsfähigkeit der Schweizer Netzinfrastruktur.
Einsatzbereiche und Nutzen
Mit BIM als digitaler Arbeitsmethode können Spezialistinnen und Spezialisten komplexe Netzprojekte effizient steuern. Zum Beispiel lassen sich Engpässe frühzeitig identifizieren und Ressourcen optimal einsetzen. Darüber hinaus unterstützt BIM mit präzisen Bestandsmodellen und ermöglicht eine Dokumentation über den gesamten Lebenszyklus – von der Erfassung des Ist-Zustands bis zur Planung von Sanierungen.
Die Vielfalt der BIM-Anwendungsfelder
Über 35 spezifische Anwendungsfälle generieren einen messbaren Mehrwert für die Swissgrid-Anlagen, u.a.:
- Zentrale Kollaboration: Als «Single Source of Truth» führt eine webbasierte Plattform alle Projektdaten, Modelle und Dokumente zusammen und ermöglicht eine nahtlose Zusammenarbeit aller Stakeholder.
- Digitale Planung und Simulation: Von der präzisen 3D-Objektaufnahme bis hin zur Simulation komplexer Bauabläufe werden Risiken frühzeitig erkannt und Planungsfehler minimiert.
- Effizientes Baustellenmanagement: Aufgaben- und Pendenzenmanagement erfolgen direkt am digitalen Modell, was die Qualität und Sicherheit vor Ort massiv steigert.
- Nachhaltige Bewirtschaftung: Die digitalen Zwillinge liefern die Datenbasis für eine vorausschauende Instandhaltung sowie für die Integration von Umwelt- und CO₂-Faktoren in der Planung.
- Optimierte Projektdurchlaufzeiten: Durch die hohe Transparenz lassen sich Entscheidungsprozesse beschleunigen, Gesamtkosten senken und die Effizienz in der Netzerweiterung steigern.
Aktueller Projektstand
Seit Januar 2025 ist BIM verbindlicher Standard für neue Unterwerk-Netzbauprojekte.