Regulatorisches Geschäftsmodell

Ein Geschäftsmodell wie kein anderes

Autorin: Stephanie Bos


Swissgrid ist kein herkömmliches Unternehmen. Sie ist zwar eine Aktiengesellschaft, bewegt sich aber in einem stark regulierten Umfeld. Als nationale Netzgesellschaft betreibt sie eine kritische Infrastruktur, die von öffentlichem Interesse ist. Das erfordert ein einzigartiges Geschäftsmodell, das auf einem klaren gesetzlichen Auftrag basiert. Diesen hat der Gesetzgeber im Stromversorgungsgesetz (StromVG) und in der Stromversorgungsverordnung (StromVV) festgeschrieben und die Stromübertragung zu einem rechtlichen Monopol ausgestaltet.

Das Rückgrat der Stromversorgung

Swissgrid verantwortet als Eigentümerin und Betreiberin des Schweizer Höchstspannungsnetzes die Stromübertragung und somit das Rückgrat der Stromversorgung. Das beinhaltet den diskriminierungsfreien, zuverlässigen und leistungsfähigen Betrieb des Übertragungsnetzes sowie dessen umweltverträglichen und effizienten Unterhalt. Zu den wichtigsten Aufgaben von Swissgrid zählen folglich die Erneuerung und der bedarfsgerechte Ausbau des Höchstspannungsnetzes. Die Feinverteilung des Stroms bis in die heimische Steckdose wiederum ist Sache der Verteilnetzbetreiber.

Ein Wettbewerb auf der Ebene der kritischen Hochspannungsinfrastruktur wäre weder effizient noch sinnvoll.

 
Ein gewolltes Monopol

Aufgrund der hohen Betreibungskosten sowie Investitionen für den Bau des Übertragungsnetzes hat der Gesetzgeber im Bereich der Stromübertragung ein Monopol ausgestaltet. Grund dafür ist, dass ein Wettbewerb auf der Ebene der kritischen Hochspannungsinfrastruktur weder effizient noch sinnvoll wäre. Um sicherzustellen, dass Swissgrid trotz ihrer Monopolstellung eine schweizweit sichere Stromversorgung gewährleistet, überwacht die eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) die Einhaltung von StromVG und StromVV. Die ElCom ist die unabhängige, staatliche Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich. Sie reguliert die Kosten und Preise und kann bei Bedarf Verfügungen erlassen, gegen die der Rechtsweg ans Bundesverwaltungsgericht mit Weiterzugsmöglichkeit ans Bundesgericht offensteht.

Das Tarifmodell von Swissgrid

Damit Swissgrid ein sicheres und funktionsfähiges Hochspannungsnetz für die Schweiz bereitstellen kann, fallen Betriebskosten und regelmässige Investitionen an. Das Stromversorgungsgesetz (StromVG) gibt vor, dass dazu Tarife in einer genau vorgegebenen Struktur erhoben werden dürfen. Darunter fallen Tarife für die Netznutzung, Tarife für die allgemeinen Systemdienstleistungen und Tarife für individuelle Systemdienstleistungen. Swissgrid berechnet die Tarife auf Basis von Prognosen. Sollten in einem Jahr aufgrund von Abweichungen zu den Prognosen zu viel oder zu wenig Einnahmen erfolgen, werden diese Differenzen mittels höherer oder tieferer Tarife über die folgenden Jahre wieder ausgeglichen. Die ElCom überwacht dabei die erhobenen Tarife von Swissgrid und den Verteilnetzbetreibern und kann diese rückwirkend anpassen.

Mehreinnahmen müssen kostensenkend eingesetzt werden.

 
Mehreinnahmen aus dem Stromhandel

Zusätzlich zu den Tariferlösen nimmt Swissgrid Auktionserlöse aus der Versteigerung der Kapazitäten ein, die für den Stromhandel auf den grenzüberschreitenden Leitungen zur Verfügung stehen. Insgesamt 41 Leitungen verbinden das schweizerische mit dem europäischen Übertragungsnetz. Auf der Basis dieser Verbindung des europäischen und schweizerischen Verbundbetriebs erbringt Swissgrid wichtige Dienstleistungen, wie zum Beispiel das Bilanzgruppen- und Engpassmanagement oder die Systemdienstleistungen (SDL). Dabei wahrt sie die Interessen der Schweiz und leistet einen weiteren wichtigen Beitrag für eine sichere Stromversorgung. Auch hier entscheidet nicht Swissgrid, sondern die ElCom über die Verwendung der Auktionserlöse. Grundsätzlich gilt, dass Mehreinnahmen kostensenkend eingesetzt werden müssen.

Die Kosten für die Stromübertragung

Die Kosten für die Stromübertragung werden solidarisch von allen Strombezügerinnen und Strombezügern in der Schweiz getragen. Bei der Instandhaltung und dem Bau von Leitungen untersteht Swissgrid dem öffentlichen Beschaffungswesen und muss grössere Ausgaben öffentlich ausschreiben. Den Zuschlag erhält jeweils der am besten geeignete Dienstleister mit dem günstigsten Angebot. Zu den Kosten von Swissgrid gehören auch die Aufwände für den Betrieb, die Regelenergie, die der Stabilisierung des Netzes dient oder die Entschädigungen für Landbesitzer, deren Grundstück von einer Leitung gequert wird.

Am gesamten Strompreis, den der Endverbraucher bezahlt, machen die Kosten für das Übertragungsnetz von Swissgrid 2023 ca. 8 Prozent aus. Ein Schweizer Haushalt mit 4500 kWh Jahresverbrauch zahlt 70 Franken an die Kosten des von Swissgrid betriebenen Übertragungsnetzes. Dank des fein austarierten Geschäftsmodells von Swissgrid gehört das Schweizer Übertragungsnetz heute nicht nur zu den sichersten und stabilsten, sondern auch zu den erschwinglichsten der Welt.



Autorin

Stephanie Bos
Stephanie Bos

Communication Manager


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