Bestehende 380-kV-Leitung Pradella – La Punt

Netzprojekt Pradella – La Punt

Die Leitung Pradella – La Punt ist essenziell für den Stromtransit und die Versorgungssicherheit des Kantons Graubünden. Damit die Energie aus der Wasserkraft vollumfänglich abtransportiert werden kann, ist der Ausbau des rund 50 km langen Trassees zwischen Pradella und La Punt auf durchgängig zwei 380-kV-Leitungen nötig. Swissgrid hat 2017 mit der Realisierung begonnen. Die Inbetriebnahme ist für 2022 geplant.

Ihr Ansprechpartner für dieses Netzprojekt

Joshu Jullier
Joshu Jullier

Telefon +41 58 580 21 11
info@swissgrid.ch

380-kV-Leitung
380-kV-Leitung
Rückbau
Rückbau
Bestehende Leitung
Bestehende Leitung
Unterwerk
Unterwerk

Übersicht

Die bestehende Höchstspannungsleitung zwischen Pradella – La Punt bildet einen Engpass im schweizerischen und europäischen Übertragungsnetz. Mit dem Ausbau des Trassees auf durchgängig zwei 380-kV-Leitungen wird die Importkapazität aus dem Norden erhöht, die Vernetzung mit dem internationalen Stromnetz (Österreich, Italien) gestärkt und der Abtransport der Energie aus der Wasserkraft im Kanton Graubünden verbessert. Das Vorhaben steigert ausserdem die Versorgungssicherheit.

Verbesserung gegenüber der heutigen Situation

  • Der strukturelle Engpass zwischen Pradella und La Punt wird aufgehoben, damit mehr Strom transportiert werden kann
  • Der Abtransport der Energie aus der Wasserkraft im Kanton Graubünden wird verbessert
  • Die Vernetzung mit dem internationalen Stromnetz in Richtung Österreich und Italien wird erhöht
  • Das Engadin kann zuverlässiger mit Strom versorgt werden
  • Durch den Ausbau auf durchgängig zwei 380-kV-Leitungen und den Einsatz von Zweier- bzw. Dreierbündeln werden die Übertragungsverluste reduziert sowie die elektromagnetischen Felder und die Geräuschentwicklung verringert.

Projekt

Normalerweise trägt ein Mast auf beiden Seiten je eine Leitung. Zwischen La Punt und Zernez sind die Strommasten heute jedoch nur auf einer Seite mit einer Leitung belegt. Grund dafür ist, dass zum Zeitpunkt des Baus der Leitung in den 60er-Jahren der Transportbedarf geringer war als heute. Nun ergänzt Swissgrid das 50 km lange Trassee zwischen Pradella und La Punt durchgehend mit einer zweiten 380-kVLeitung. Künftig tragen die Masten somit auf beiden Seiten jeweils eine Leitung. Das hat positive Auswirkungen auf die Emissionen: Die Leitung kann nun so betrieben werden, dass sich die elektrischen und magnetischen Felder der zwei Leitungen teilweise aufheben und die Emissionen insgesamt geringer sind als vorher.

Zwischen La Punt und Zernez tragen die Masten heute nur auf einer Seite eine Leitung.
Zwischen La Punt und Zernez tragen die Masten heute nur auf einer Seite eine Leitung.

Zahlen und Fakten

Länge der Leitung 50 km
Anzahl Masten 127
Höhe der Masten Zwischen 50 und 80 m
Leitungen Zweimal 380 kV

Rückbau von 1100 Masten dank Erdverkabelung der 110-kV-Leitung

Als Ersatzmassnahme für das Netzprojekt Pradella – La Punt ersetzen die Engadiner Kraftwerke (EKW) die 60-kV-Freileitung zwischen Pradella und Bever durch eine erdverkabelte 110-kV-Leitung. Die Energie aus dem Kraftwerk Ova Spin wird neu über diese unterirdische Leitung abgeführt. Der erste Abschnitt zwischen Pradella und Zernez wurde im Sommer 2019 in Betrieb genommen. Der zweite Abschnitt zwischen Zernez und Bever wird im Herbst 2019 fertiggestellt. Dank der Verlegung der 110-kV-Leitung in den Boden können nach deren Inbetriebnahme im Herbst 2019 insgesamt rund 1100 Masten abgebrochen werden, was das Landschaftsbild deutlich entlastet. Das Projekt ermöglicht zudem die Verkabelung der 16-kV-Leitung und den Anschluss der Gemeinden ans Breitbandinternet.

Bau der 110-kV-Erdkabelleitung von Bever nach Pradella (Film von Brugg Cables)
Bau der 110-kV-Erdkabelleitung von Bever nach Pradella (Video von Brugg Cables)

Vergleich mit einer Kabelvariante

Das Projekt wurde auf der gesamten Strecke und auf 4 Teilabschnitten mit einer neuen 380-kV-Kabelleitung verglichen. Der Vergleich wurde im Sinne des Bewertungsschemas für Übertragungsleitungen des Bundesamtes für Energie (BFE) ausgeführt. Der Vergleich zeigte auf, dass die Mehrkosten für eine Voll- oder Teilverkabelung unverhältnismässig hoch wären und nur eine teilweise Entlastung des Landschaftsbildes zur Folge hätten.

Projektgeschichte

Das Projekt Pradella – La Punt wurde in den 1990er Jahren mit einem Vorverfahren der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) gestartet. Im Januar 2000 wurden die Projektierungsarbeiten aufgrund der bevorstehenden Marktöffnung, der Verzögerungen bei grenzüberschreitenden Leitungsbauvorhaben sowie den Forderungen aus dem UVP-Vorverfahren sistiert.

Im 2007 wurden die Projektarbeiten mit der Ausarbeitung des Detailprojektes und des Berichtes über die Umweltauswirkungen wieder aufgenommen. Ein Jahr später wurde auf Verlangen der zuständigen Genehmigungsbehörde, dem Bundesamt für Energie (BFE), anhand des Sachplans Übertragungsleitungen (SÜL) der sogenannte SÜL-Check durchgeführt. Im Dezember 2008 verfügte das BFE, dass auf Grundlage des durchgeführten SÜL-Checks auf ein SÜL-Verfahren verzichtet werden kann. Hingegen musste eine UVP-Prüfung durchgeführt werden.

Im 2009 und 2010 fand die Überarbeitung der Planvorlage und des Berichtes über die Umweltauswirkungen gemäss Vorgaben des BFE statt. Ende Oktober 2010 wurde der Umweltverträglichkeitsbericht (UVB) an das Eidgenössische Starkstrominspektorat (ESTI) zur Vorprüfung und Genehmigung des Pflichtenheftes eingegeben. Im Februar 2011 fand ein Augenschein mit den kantonalen und eidgenössischen Fachstellen unter Federführung des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) statt. Aufgrund dieser Begehung wurde der UVB überarbeitet.

Im Januar 2012 fanden Informationsveranstaltungen in Zernez statt, in deren Rahmen die Gemeinden, Umweltorganisationen und Öffentlichkeit sowie die Presse informiert wurden. Zwischen April 2012 und November 2013 wurden die Gesuchs-Unterlagen aufgrund des neuen Bewertungsschemas für Übertragungsleitungen des BFE und wegen verschiedener Gerichtsurteile grundlegend überarbeitet. Mit Eingabe der Plandossiers an das ESTI am 9. Dezember 2013 wurde das Plangenehmigungsverfahren (PGV) eingeleitet. Im Mai 2016 hat das ESTI die Bewilligung für den Ausbau der 380-kV-Leitung zwischen Pradella und La Punt erteilt.

Projektänderung: Ersatz anstatt Verstärkung von 50 Masten

Bei den Vorbereitungen der Bauarbeiten hat Swissgrid die Maststatik überprüft und festgestellt, dass einige Masten für den geplanten Ausbau des Trassees auf zwei 380-kV-Leitungen zu schwach sind. Aufgrund dieser Erkenntnisse hat Swissgrid entschieden, 50 Masten zu ersetzen anstatt zu verstärken. Diese Projektänderung hat keine Änderung des Trassees zur Folge. Die Inbetriebnahme der ausgebauten Leitung verzögert sich dadurch um mindestens ein Jahr und ist neu für 2022 vorgesehen. Die Projektänderung wird zwischen dem 19. September und dem 21. Oktober 2019 bei den Gemeinden öffentlich aufgelegt.

Projektfortschritt und Projektplanung

Swissgrid hat die Tiefbauarbeiten von 2017 bis Herbst 2019 ausgeführt. In dieser Zeit wurden an jedem Maststandort die Mastfundamente verstärkt und die Betonsockel saniert. In einem nächsten Schritt werden – nach Genehmigung der Projektänderung – die Masten selbst verstärkt oder dort wo notwendig ersetzt.

Bestehende 380-kV-Leitung Pradella – La Punt
1/7: Bestehende 380-kV-Leitung Pradella – La Punt
Bau der neuen 110-kV-Leitung zwischen Pradella und Bever (Quelle: EKW)
2/7: Bau der neuen 110-kV-Leitung zwischen Pradella und Bever (Quelle: EKW)
Sanierung der Mastfundamente
3/7: Sanierung der Mastfundamente
Tiefbauarbeiten: Fundamentverstärkung
4/7: Tiefbauarbeiten: Fundamentverstärkung
Tiefbauarbeiten: Fundamentverstärkung
5/7: Tiefbauarbeiten: Fundamentverstärkung
Bohren eines Mikropfahls
6/7: Bohren eines Mikropfahls
Baustelle Pradella – La Punt
7/7: Baustelle Pradella – La Punt

Mensch & Umwelt

Landschaftsbild

Infolge der vorgesehenen 19 Masterhöhungen, 13 neuen Mastspitzen und dem Einsatz von Zweierbündel statt einfachen Leiterseilen wird die Landschaft nur punktuell und geringfügig zusätzlich beeinträchtigt. Die Leitung Pradella – La Punt ist seit Jahrzehnten Bestandteil der Landschaft. Rund 60% der Leitung führt durch den Wald und wirkt sich auf das Landschaftsbild deshalb kaum aus.

Fauna

Die Mortalität bei Vögeln aufgrund Stromschlags ist im Übertragungsnetz gering. Mit dem Einsatz von Bündelleitern und einem dickeren Erdseil wird die Kollisionsgefahr für Vögel zwischen Pradella und Zernez reduziert. Mit dem vorgesehenen Rückbau von Verteilnetzleitungen entfällt ein grosses Gefahrenpotential für die Avifauna. Für die übrige Fauna (Wild, Amphibien, Reptilien) sind keine bis geringe Auswirkungen zu erwarten.

Flora, Grundwasser, Boden

Flachmoore und Schutzgebiete werden überspannt. 10 Masten, an denen die Fundamente verstärkt wurden, stehen in oder am Rand von Trockenwiesen und -weiden. Die Beeinträchtigung ist gering. Die Bauarbeiten werden hydrogeologisch begleitet, um Grundwasserverschmutzungen zu verhindern. Der Boden wird durch die Bauarbeiten fast ausschliesslich in bereits belasteten Gebieten tangiert.

Wald

Für den Wald gibt es geringe Mehrbelastungen durch temporäre und definitive Rodungen, die bei Maststandorten und Installationsplätzen notwendig sind. Die bestehenden Niederhaltungen von Bäumen werden beibehalten.

Elektromagnetische Felder

Zwischen Pradella und La Punt befinden sich im Nahbereich der Leitung insgesamt 11 Standorte mit empfindlicher Nutzung. Für alle Standorte wurden separate Berechnungen vorgenommen, welche die Einhaltung der Grenzwerte überall bestätigen. Die gesetzlichen Vorschriften werden eingehalten.

Lärm

Im Nahbereich der Leitung befinden sich insgesamt 10 Gebäude mit lärmempfindlichen Räumen. Zur Einhaltung der gesetzlichen Grenzwerte werden dickere Leiterseile oder Dreierbündel eingesetzt.


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