Das Übertragungsnetz von Swissgrid erstreckt sich über rund 6700 Kilometer quer durch die Schweiz. Rund 22% der Leitungen verlaufen durch oder über bewaldete Gebiete. Damit Wald und Leitungen sich nicht gegenseitig beeinträchtigen, überwacht Swissgrid die Vegetation entlang ihrer Infrastruktur und greift bei Bedarf gezielt ein.
Warum sind Bäume gefährlich?
Bäume in der Nähe von Stromleitungen können zu einem Risiko werden, beispielsweise wenn Äste oder ganze Bäume drohen, in Leitungen zu stürzen und diese zu beschädigen. Dies kann zu Lichtbögen führen, die wiederum Waldbrände auslösen und grossflächige Schäden an Umwelt und Infrastruktur verursachen können. Bei hohen Spannungen reicht bereits eine Annäherung an das Leiterseil. Solche Schäden bedeuten zwar nicht automatisch einen Versorgungsunterbruch (wegen des N-1 Prinzips, mehr dazu hier), können aber trotzdem nicht ausgeschlossen werden. Um die Sicherheit für Mensch, Umwelt und Infrastruktur zu gewährleisten und solche Ereignisse zu verhindern, bewirtschaftet Swissgrid die Wälder im Bereich ihrer Leitungen gemeinsam mit kantonalen Forstämtern und regionalen Forstbetrieben und -unternehmungen.
Das Schweizer Übertragungsnetz wurde grösstenteils vor über 60 Jahren gebaut. Die Umgebung rund um die Leitungen sowie die klimatischen Bedingungen haben sich in dieser Zeit deutlich verändert. Entsprechend ist auch die aktive Bewirtschaftung der Wälder wichtiger geworden. Welche Bäume kritisch werden können und zurückgeschnitten werden müssen entscheidet nicht Swissgrid allein. Die Abstände vom Baumwipfel zur Stromleitung ist je nach Spannung der Leitung unterschiedlich und wird in der Verordnung über elektrische Leitungen (LeV) definiert. So sind es inklusive eines Swissgrid-Abstandszuschusses bei 220-kV-Leitungen 5 Meter und bei 380-kV-Leitungen 7 Meter Abstand, die eingehalten werden müssen.
«Unser Ziel ist es, die Anforderungen an die Versorgungssicherheit mit den Anliegen von Wald und Natur in Einklang zu bringen. Deshalb setzen wir gezielte Massnahmen nach dem Grundsatz um: so wenig wie möglich, so viel wie nötig.»
Marco Freda, Förster bei Swissgrid
Was macht Swissgrid in der Forstbewirtschaftung?
Swissgrid beobachtet die Wälder entlang ihrer Leitungen langfristig und analysiert deren Entwicklung. Neben regelmässigen Sichtkontrollen kommen moderne Technologien zum Einsatz. Mithilfe von LiDAR-Messungen werden die Abstände zwischen Vegetation und stromführenden Leiterseilen präzise erfasst. Zudem berechnet das System für seitlich stehende Bäume sogenannte Baumfallkurven, um potenzielle Risiken für die Leitungen zu identifizieren.
Die Beurteilung der Waldränder erfolgt jedoch nicht ausschliesslich anhand dieser Daten. Vor Ort werden weitere Faktoren wie die Stabilität der Bestände, Standortbedingungen, Naturgefahren sowie biotische Einflüsse durch Pilze oder Schadinsekten berücksichtigt. Ebenso fliessen die vertraglichen Vereinbarungen mit den Grundeigentümern in die Planung ein. Ziel aller Massnahmen ist es, die Stabilität der Waldflächen langfristig zu fördern und gleichzeitig die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
«Die LiDAR-Aufnahmen sind sehr detailliert. Wir können darauf beinahe die Nadeln zählen.»
Gaëtan Grossrieder, Förster bei Swissgrid
Anhand dieser Daten plant Swissgrid die notwendigen Massnahmen rund um ihre Infrastruktur. Dabei geht es neben dem Entfernen einzelner Bäume auch um die nachhaltige Gestaltung von Waldrändern. Ziel ist es, die Infrastruktur sicher zu betreiben und gleichzeitig eine verträgliche Integration in die Landschaft zu fördern. Die eigentlichen Forstarbeiten werden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. Während der Arbeiten bleiben die Höchstspannungsleitungen in der Regel in Betrieb, sofern dies Holzschlag und Abtransport erlauben. Es kommt also zu keinen Versorgungsunterbrüchen aufgrund der Arbeiten.
Wer macht das bei Swissgrid?
Swissgrid beschäftigt insgesamt 6 Förster, die sich mit dem Thema Vegetationen in Leitungsnähe befassen. Sie sind im engen Austausch mit den regionalen Forstämtern und koordinieren die Ausführung der Arbeiten gemeinsam.
«Im Wald setzen wir auf die Zusammenarbeit mit lokalen Forstbetrieben, die die Gegebenheiten vor Ort sowie die Anliegen der Waldeigentümer und Gemeinden bestens kennen. Im Siedlungsraum arbeiten wir eng mit regionalen Baumpflegefachbetrieben zusammen. Dieses lokale Fachwissen ist entscheidend für eine sichere und nachhaltige Bewirtschaftung entlang unserer Leitungen.»
Marco Freda, Förster bei Swissgrid
Die Förster von Swissgrid sind zwar im Rahmen ihrer Arbeit für die Leitungen bedacht, blicken aber auch aus dem Blickwinkel Wald auf die Projekte. Wer in Leitungsnähe arbeitet, muss beide Welten verstehen: die Anforderungen eines sicheren Stromnetzes und die Bedürfnisse des Waldes.