Der Kanton Tessin ist bekannt für das mediterrane Flair, ein würziges Ossobuco mit sämiger Polenta und natürlich für seine wunderschönen Landschaften. Ob Sotto- oder Sopraceneri, der italienischsprachige Teil der Schweiz besticht durch malerische Berglandschaften und seine tiefblauen Seen. Diese, wie natürlich auch andere Landschaften der Schweiz, gilt es zu schützen. Beim Netzbauprojekt Airolo – Lavorgo hat sich Swissgrid dies zu Herzen genommen. Als Ersatz für den Bau der neuen Höchstspannungsleitung hat Swissgrid bei diesem Projekt mehr als 100 Massnahmen geplant. Sie kompensieren die durch den Bau verursachten Eingriffe in die Natur.

Entlastung dank Rückbau bestehender Leitungen

Die offensichtlichste Entlastung der Landschaft wie auch der Siedlungen ist der Rückbau der alten Leitung. Mit der Neuordnung der Höchstspannungsleitungen im Tessin verschwindet aber nicht nur die alte Leitung zwischen Airolo und Lavorgo, sondern auch die Leitung zwischen Peccia und Lavorgo. Dies, sobald die Leitung All’Acqua und Magadino, welche durch das Maggiatal führt, fertiggestellt und in Betrieb ist. Das Gebiet Campolungo, eine Region, die zum Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmälern gehört, wird damit von Höchstspannungsmasten befreit. Zusätzlich verschwindet auch ein Teil einer Mittelspannungsleitung von AET unter den Boden entlang der Autobahn A2. Es gibt aber noch weitere Massnahmen, die Flora, Fauna und Mensch nützen.

Camplungo
Camplungo wird durch das Projekt von Stromleitungen befreit

Fauna, Flora und Mensch: Für alle etwas dabei

Das Birkhuhn und der Steinadler sind Vogelarten, die in höheren Lagen anzutreffen sind. Obwohl, insbesondere den Steinadler trifft man bei einer Wanderung durch die Tessiner Alpen immer seltener an. Er zählt als prioritäre Art für die Artenförderung. Als Teil der Ersatzmassnahmen für das Netzprojekt Airolo – Lavorgo werden beide Arten überwacht. So kann der Bestand in der Sonnenstube der Schweiz verfolgt werden und bei Bedarf weitere Massnahmen getroffen werden, um die beiden Vogelarten zu schützen. Wenn wir gerade von Schutz sprechen: Eine Ersatzmassnahme hat genau dieses Ziel. Bei der neuen Leitung zwischen den beiden Tessiner Gemeinden wird ein Kollisionsschutz installiert. Denn Höchstspannungsmasten können für verschieden Vogelarten ein Hindernis darstellen. Das Antikollisionssystem wird in Gebieten erstellt, die aufgrund von Flugrouten, dem Vorkommen gefährdeter Arten und dem Vorhandensein von Nistplätzen sensibel sind. Von dieser Massnahme profitieren also nicht nur Birkhuhn und Steinadler, sondern alle Vogelarten, die im Tessin heimisch sind.

Bei der neuen Leitung zwischen Airolo und Lavorgo wird ein Kollisionsschutz für Vögel installiert.

 
Auch im Bereich Flora hat Swissgrid verschiedene Massnahmen geplant. Eine davon ist die Aufwertung des Baches Trenta Valli. Dieser entsteht beim Wasserkraftwerk Rodi und mündet später in den Ticino. Über weite Strecken ist der von künstlichen und intensiv bewirtschafteten Ufern geprägt. Der Wasserlauf des Trenta Valli wird im Rahmen des Projekts aufgewertet und womöglich renaturiert. Ausserdem wurde in den letzten Jahren ein interessanter Naturlehrpfad eingerichtet, der dazu einlädt, die Piottino-Schlucht und die Torfmoore von Bedrina zu entdecken.

Trenta Valli
Das Ufer des Trenta Valli wird ab dem Wasserkraftwerk Rodi renaturiert

Ein weiterer Teil der Ersatzmassnahmen ist die Schaffung und Wiederherstellung von beweideten Lärchenwäldern. Früher beweidete Gebiete werden damit für die Landwirtschaft zurückgewonnen. Das bedeutet, dass die landwirtschaftlich tätige Bevölkerung ihr Vieh im Lärchenwald zwischen Airolo und Lavorgo weiden lassen kann. Daraus resultiert eine agroforstliche Nutzung, also ein Zusammenspiel zwischen Land- und Forstwirtschaft. Ganz nebenher ermöglicht diese Massnahme die Nutzung des für den Bau der neuen Leitung genutzten Trassees.

Ersatzmassnahmen sind Teil jedes Netzprojektes von Swissgrid. Alle Projekte werden von einem Umweltverträglichkeitsbericht begleitet. Dieser Bericht ist Bestandteil des Dossiers zum Baugesuch und wird jeweils von internen und externen Umweltfachleuten erstellt. Das gesamte Bauvorhaben sowie die damit verbundene Logistik wird darin bewertet und Massnahmen festgelegt, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu vermindern. Dabei steht die Einhaltung der Umweltschutzgesetzgebung stets im Fokus.



Autorin

Stephanie Bos
Stephanie Bos

Communication Manager


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