Projekt
Ausgangslage
Der Grossraum Zürich ist heute von Norden her deutlich besser mit dem Höchstspannungsnetz verbunden als von Süden her. Im Norden reicht das 220-kV-Netz über die Unterwerke Auwiesen und Fällanden bis an die Stadt Zürich heran. Im Süden hingegen sind die Anschlusspunkte Obfelden und Samstagern nur über je eine 150-kV-Leitung bis zur Stadtgrenze verbunden. Swissgrid plant deshalb, die Leitung zwischen Samstagern (Richterswil), Thalwil, Waldegg (Zürich) und Obfelden in sechs Teilprojekten auf 220 Kilovolt (kV) auszubauen. Der Ausbau ist Teil des Strategischen Netzes von Swissgrid.
Warum das Projekt wichtig ist
Mit dem Anschluss der Unterwerke Thalwil und Waldegg an das Höchstspannungsnetz und der Verstärkung der Leitungen zwischen Obfelden und Samstagern wird das Höchstspannungsnetz auch von Süden her bis in die Stadt Zürich herangeführt. Dies erhöht die Transportkapazität sowie die Versorgungssicherheit der Stadt und der gesamten Region Zürich. Das Projekt ist auch für die SBB sehr wichtig, da auf einem Abschnitt zwei 132-kV-Leitungen mit Bahnstrom mitgeführt werden. Diese beiden Leitungen verbinden das Unterwerk Sihlbrugg mit dem Unterwerk Zürich, was die Versorgungssicherheit der SBB im Grossraum Zürich erheblich verbessert.
Die sechs Abschnitte des Projekts
Der Ausbau der Leitung zwischen Samstagern (Richterswil), Thalwil, Waldegg (Zürich) und Obfelden besteht aus sechs Teilprojekten. Die Baukosten des Gesamtprojekts belaufen sich auf rund CHF 170 Mio. Die Arbeiten an den unterschiedlichen Abschnitten sowie der Rückbau der bestehenden Leitungsabschnitte dauert voraussichtlich bis 2033.
Anschluss Unterwerk Samstagern
Beim Unterwerk Samstagern müssen Modifikationen an Unterwerk und Leitung umgesetzt werden, um die heute mit 150 kV betriebene Leitung ans 220-kV-Netz anzuschliessen.
Samstagern – Schweikrüti (Thalwil)
Zwischen Samstagern und Schweikrüti (Gemeinde Thalwil) ist die Leitung heute bereits für Höchstspannung ausgelegt, wird aber nur mit 150 kV betrieben. Swissgrid plant eine Spannungserhöhung auf 220 kV. Im September 2024 hat Swissgrid das Plangenehmigungsgesuch für die Spannungserhöhung zwischen Samstagern und Schweikrüti eingereicht. Das Leitungsprojekt hält alle gültigen Gesetze und Verordnungen ein. Dieser Abschnitt der Leitung wurde bereits beim Bau in den 1980er-Jahren auf 220 kV ausgelegt, weshalb nur der Ersatz des Erdseils sowie die vereinzelte Montage von Phasenabstandshaltern erforderlich ist. Das Unterwerk Samstagern wird baulich angepasst, und in dessen Nähe werden zwei neue Masten gebaut. Die Spannungserhöhung erfolgt gemäss aktuellem Zeitplan frühestens 2027.
Schweikrüti (Thalwil) – Kilchberg
Auf diesem Abschnitt liegt eine rechtskräftige Baubewilligung für eine neue Freileitung mit angepasster Leitungsführung vor. Nach der 2023 erfolgten Inbetriebnahme des neu gebauten Leitungsabschnitts zwischen Schweikrüti und Sihlhalden beginnt Swissgrid ab Frühjahr 2025 mit der zweiten Bauetappe zwischen Sihlhalden bis Kilchberg. Der Bau eines Erdkabels ist auf diesem Abschnitt nicht möglich, weil zusammen mit der Swissgrid-Leitung zwei 132-kV-Leitungen der SBB auf den gleichen Masten mitgeführt werden. Die SBB-Leitungen müssen aus technischen Gründen auf diesem Abschnitt zwingend oberirdisch verlaufen. Auf dem Abschnitt Schweikrüti – Kilchberg wird das Unterwerk Thalwil angeschlossen, welches für die Versorgung des linken Zürichseeufers wichtig ist. Sobald das Unterwerk Thalwil ans Höchstspannungsnetz angeschlossen ist, wird als Ersatzmassnahme die 110-kV-Leitung Obfelden – Thalwil (sogenannte Albisleitung) der Axpo zurückgebaut. Damit wird das Siedlungsgebiet von Langnau und Gattikon substanziell entlastet. Bei Kilchberg wird die Freileitung über ein neues Übergangsbauwerk in den Boden und ab da unterirdisch weitergeführt.
Kilchberg – Waldegg (Zürich)
Von Kilchberg bis Frohalp in der Nähe des Bahnhofs Zürich Manegg wird die neue Leitung unterirdisch entlang der Autobahn gebaut. Danach wird sie durch die beim Bau der beiden Tunnelröhren des Uetlibergtunnels erstellten Rohrblöcke und anschliessend weiter in einem 2 km langen Stollen (Durchmesser ca. 4 m) unterirdisch bis ins Unterwerk Waldegg geführt.
Unterirdisches Unterwerk Waldegg (Zürich)
Swissgrid plant zusammen mit ewz ein neues unterirdisches Unterwerk. Von hier wird der Strom in die Stadt Zürich fliessen. Das Unterwerk wird unterirdisch gebaut, damit der Landschaftseinfluss und die Sichtbarkeit für das benachbarte Siedlungsgebiet möglichst gering sind.
Obfelden – Waldegg (Zürich)
Die Leitung zwischen Obfelden und Waldegg (Zürich) ist bereits für Höchstspannung ausgelegt, wird aber nur mit 150 kV betrieben. Swissgrid plant bis 2032 eine Spannungserhöhung auf 220 kV, sodass das Unterwerk Waldegg bereits dann ans Übertragungsnetz angeschlossen werden kann. Dafür sind voraussichtlich keine grossen baulichen Massnahmen an der Leitung nötig.
Neue Leitung in Thalwil seit Oktober 2023 in Betrieb
Der Neubau der Leitung zwischen Schweikrüti und Kilchberg wird in zwei Etappen aufgeteilt. Swissgrid hat die erste Etappe zwischen Schweikrüti und Sihlhalden innerhalb eines Jahres realisiert.
Von Oktober 2022 bis März 2023 wurden die Fundamente gebaut, welche aus 2200 Tonnen Beton bestehen. Anschliessend haben die Mastmonteure von April bis Juli 2023 sechs neue Masten montiert – eine Arbeit in schwindelerregender Höhe, denn die Masten sind 58 bis 85 Meter hoch. In den Masten stecken insgesamt 330 Tonnen Stahl und 16 800 Schrauben. Zum Schluss wurden von Juli bis September 2023 auf dem 1,7 km langen ersten Abschnitt rund 32 km Leiterseile eingezogen. Das war kein einfaches Unterfangen, da die Leitung zweimal die Autobahn A3 quert.
Genau ein Jahr nach Start der Arbeiten hat Swissgrid die neue Leitung vorerst mit 150 kV in Betrieb genommen, sodass bis Ende 2024 die alte Leitung in diesem Teilabschnitt zurückgebaut werden kann. Damit werden der Gattikerweiher und das Wohngebiet von der Leitung entlastet.
Von Frühling 2025 bis Ende 2026 wird die zweite Etappe zwischen Sihlhalden und Kilchberg umgesetzt. Hier verläuft die neue Leitung grösstenteils auf dem bestehenden Trassee. Das Gesamtprojekt wird bei optimalem Verlauf bis 2030 abgeschlossen. Die restlichen Teile der alten Leitung werden im Anschluss zurückgebaut.
Fragen und Antworten
Wann wird die 110-kV-Leitung Obfelden – Thalwil von Axpo (Albisleitung) zurückgebaut?
Sobald das Unterwerk Thalwil ans Höchstspannungsnetz angeschlossen ist, kann die 110-kV-Leitung Obfelden – Thalwil (sogenannte Albisleitung) von Axpo zurückgebaut werden. Damit wird das Siedlungsgebiet von Langnau und Gattikon entlastet.
Für den Anschluss vom Unterwerk Thalwil an das Höchstspannungsnetz müssen u.a. folgende Bedingungen erfüllt werden:
- Die neue Leitung zwischen Schweikrüti und Unterwerk Thalwil muss gebaut sein. Dieser Leitungsabschnitt wurde im Herbst 2023 umgebaut.
- Die Spannung auf dem Leitungsabschnitt zwischen Samstagern und Thalwil muss auf 220 kV erhöht sein. Das Projekt wurde im September 2024 in das Bewilligungsverfahren eingereicht. Aufgrund von Einsprachen und allfälligen Gerichtsverfahren verzögert sich die Spannungsumstellung um mehrere Jahre.
- Das Unterwerk Thalwil muss umgerüstet werden für 220 kV.
- Der Anschluss in Samstagern muss angepasst sein (Anschluss ans 220-kV-Netz).
- Die Albisleitung kann erst rückgebaut werden, wenn eine Plangenehmigungsverfügung von den Behörden vorliegt und die Arbeiten umgesetzt sind.
Aus heutiger Sicht erwartet Swissgrid den Rückbau der 110-kV-Leitung Obfelden – Thalwil (Albisleitung) nicht vor 2033.