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Warum sind Strommasten nicht alle gleich hoch?

Ein Blick hinter die Kulissen der Planung

Autorin: Sandra Bläuer


Die einen nehmen sie gar nicht wahr, andere empfinden sie als störend und wieder andere erfreuen sich ab einem Stück Ingenieurskunst. Die Stahl-Masten der Stromleitungen. Doch haben Sie sich schon gefragt, warum einige höher sind als andere? Das ist kein Zufall. Hinter jedem Mast steckt viel Planung.

Swissgrid unterhält schweizweit mehr als 6700 Kilometer Höchstspannungsleitungen und 12 000 Masten. Viele davon stehen in anspruchsvollem Gelände: In gebirgigen, steilen und häufig nur schwer zugänglichen Lagen, auf felsigem, manchmal instabilem Grund. In solchem Terrain neue Leitungen zu bauen, ist technisch herausfordernd.

Wo die Leitung hinkommt, wird im sogenannten Sachplanverfahren geklärt. Ebenso, ob sie unterirdisch als Erdkabel oder oberirdisch als Freileitung zu planen ist. Wir gehen von letzterer Variante aus und widmen uns hier einer häufig gestellten Frage: Warum sind die Masten so hoch?

Das hängt von vielen Faktoren ab:

1. Sicherheit geht vor

Je höher die Spannung, desto grösser der Abstand zum Boden. Bei 380 Kilovolt – der höchsten Spannungsebene im Schweizer Stromnetz – müssen die Leiterseile genügend hoch über Strassen, Feldern und Häusern hängen. Es geht um den Schutz von uns Menschen, beispielsweise vor elektromagnetischen Feldern. Swissgrid hält sich an strenge Vorschriften – die Grenzwerte zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung sind in kaum einem anderen Land so streng, wie in der Schweiz. Mehr dazu

Auch zu beachten sind Vorgaben für den Blitzschutz und sogar Abstimmungen mit der Luftfahrt, wenn eine Leitung in der Nähe eines Flughafens verläuft. Bestimmt haben Sie diese orangen Kugeln an den Leiterseilen schon einmal gesehen. Dabei handelt es sich um Flugwarnkugeln, die die Leitung für Pilotinnen und Piloten besser sichtbar machen.

Flugwarnkugel

2. Das Gelände macht den Unterschied

Führen Leitungen über eine Ebene, genügen vergleichsweise kleine Masten. Aber was passiert, wenn die Leitung ein Tal oder eine Autobahn überqueren muss? Dann brauchen wir zusätzliche Höhe, um den Sicherheitsabstand einzuhalten. Ein Mast einer 380-Kilovolt-Leitung wird so statt 60 plötzlich 90 Meter hoch.

3. Es steht ein Mast im Walde…

Kompliziert wird’s im Wald: Hier bestehen verschiedenen Optionen. Wann immer möglich wird auf die Rodung von Waldfläche verzichtet. Alternativen sind die Waldniederhaltung, bei der die Bäume unter der Leitung niedriger gehalten werden müssen, oder die Waldüberspannung. Über diese Vorgabe entscheidet das kantonale Waldgesetz. Es ist der Kanton, der festlegt, wie hoch die Bäume unter einer Leitung wachsen dürfen. Und diese Vorgaben variieren je nach Kanton: In einem Projekt im Kanton Aargau sollen die Bäume eines Waldes 45 Meter hoch werden dürfen. Um den nötigen Abstand zwischen Baumwipfeln und Leiterseilen sicherzustellen, muss Swissgrid deshalb bis zu 89 Meter hohe Masten planen.

Solch hohe Masten fallen auf. Sie sind aber nötig, um die Vorgaben einzuhalten. Die einzige Alternative zu hohen Masten im Wald: Die Leitung ausserhalb des Waldes planen – also näher an den Siedlungsgebieten. Und wer jetzt an Erdverkabelung denkt: im Wald würde das eine breite Schneise komplett ohne Bäume bedeuten. Darüber hinaus sprechen viele weitere Faktoren grundsätzlich gegen die Erdverkabelung im Übertragungsnetz. Natürlich könnte man die Erdverkabelung auch ausserhalb des Waldes planen. Wir wissen: Räumliche und technologische Entscheide werden aber eben im Sachplanverfahren gefällt. Und diese gelten dann für das nachgelagerte Bauprojekt. Swissgrid kann also nicht in einem festgesetzten Freileitungskorridor eine Erdverkabelung planen. Ausserdem bedeuten Erdkabel, auch ausserhalb des Waldes, eine grosse Belastung für die Umwelt. Mehr dazu im Blogbeitrag «Freileitungen – ein unterschätzter Beitrag zur Nachhaltigkeit»

Tonne vs. Donau
Die Grafik links zeigt einen Tragmast des Typs «Tonne» (1). Die Grafik rechts zeigt einen Tragmast des Typs «Donau» (2), welcher dort eingesetzt wird, wo Wald überspannt werden muss.

4. Wind und Wetter

Im Winter können sich Eislasten auf den Leitungen bilden, im Sommer hängen die Seile durch, weil sie sich bei Hitze ausdehnen. Unsere Ingenieurinnen und Ingenieure berechnen diese Effekte genau. Auf Basis dieser Berechnungen dimensionieren sie die Masten so, dass die Leiterseile auch bei extremen Bedingungen sicher hängen und den Strom zuverlässig dorthin transportieren, wo wir ihn brauchen.

5. Technik im Detail

Manche Trassees führen mehrere Leitungen. Solche Bündelungen sind ein Vorteil für das Landschaftsbild. Doch je mehr Seile am Mast, desto höher und oft auch massiver muss er sein, um den Zug- und Druckkräften standzuhalten. Auch die Isolatoren, die die Leiterseile halten, spielen eine Rolle. Swissgrid setzt auf möglichst kurze Isolatoren und gewinnt damit Bodenabstand.

Fazit: Kein Zufall, sondern Präzision

Die Planung beginnt lange bevor der erste Mast gebaut wird. Mit einem vom Bundesrat festgesetzten Planungskorridor startet Swissgrid das Bauprojekt. In dieser rund zweijährigen Phase wird das bestmögliche Trassee für die Leitung gesucht, Gespräche mit Grundeigentümern geführt und eben die Masten dimensioniert. Dazu stimmen wir uns mit Behörden und einem Projektbeirat bestehend aus Kantonen, Gemeinden und Interessengruppen, ab. Denn eine Leitung muss nicht nur sicher, sondern auch landschaftsverträglich sein. Dazu kommen zahlreiche weitere, teils stark divergierende, Anliegen, die an ein solches Projekt gestellt werden.

Die Höhe eines Strommasts ist also kein Zufall. Sie ist immer das Ergebnis einer Abwägung von Sicherheit, Technik, Umwelt und Wirtschaftlichkeit. Swissgrid kann Masten nicht einfach irgendwo hinstellen oder beliebig gross bauen. Jeder Mast wird sorgfältig geplant – für eine zuverlässige und sichere Stromversorgung in der Schweiz.

Neugierig geworden? Wenn Sie das nächste Mal einen Strommast sehen, scannen Sie das Mastschild. Es wird Ihnen die Höhe des Masts und weitere wichtige Informationen zeigen. Mehr dazu: Mast 1710x003



Autorin

Sandra Bläuer
Sandra Bläuer

Communication Manager


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